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Minucius Felix - Octavius, 31,01-31,05

Auch ist in einer Zusammenkunft der Dämonen über unzüchtige Gastmähler eine große Geschichte gegen uns erdichtet worden, damit man den Ruhm der Sittsamkeit schimpflich durch Hinspritzen von bösem Gerede entweiht, dass, bevor die Wahrheit herausgefunden werden kann, die Menschen sich von uns mit Schrecken der abscheulichen Meinung abwenden würden. So hat auch dein Fronto darüber kein bekräftigendes Zeugnis abgelegt, sondern als Redner Beschimpfungen hinzugefügt.

Diese sind nämlich eher aus euren Völkern entstanden. Es ist Gesetz bei den Persern sich mit den Müttern zu "vermischen", bei den Ägyptern und Athenern ist die Ehe mit den Schwestern erlaubt, die Geschichte und eure Tragödien rühmen sich durch die Blutschande, die ihr sowohl gerne lest als auch hört; so ehrt ihr auch blutschänderische Götter, die sich mit der Mutter, mit der Tochter, mit der Schwester ehelichen ließen. Logischerweise trifft man bei euch oft auf Blutschande, immer wird sie zugelassen. Auch ihr, Arme, könnt, ohne es zu wissen, ins Unerlaubte vorstürzen: solange ihr Liebe "besprengt" ohne Unterschied, solange ihr weit und breit Kinder zeugt, solange ihr auch die zu Hause Geborenen häufig fremdem Mitleid aussetzt (weggebt), so müsst ihr zwangsläufig auf die eurigen zurückkommen, euch zu den Kindern verirren. So knüpft ihr Geschichten/Tragödien der Blutschande, auch wenn ihr euch dessen nicht bewusst seid.

Aber wir zeigen Scham nicht mit Äußerlichkeiten, sondern durch den Geist. Wir befinden uns lieber in der Bande einer Ehe, wir kennen zur Begierde des Fortpflanzens entweder nur eine oder keine. Die Gastmähler, die wir abhalten, sind nicht nur ehrbar, sondern auch nüchtern: wir frönen nämlich weder den Mahlzeiten noch halten wir Gastmähler mit Wein ab, sondern wir mäßigen den Frohsinn mit Ernst und reinen/frommen Gesprächen; mit reinem Körper genießen die meisten die ewige Jungfräulichkeit des unversehrten Körpers eher als dass sie sich damit rühmen: Schließlich liegt die Begierde nach Blutschande manchen so fern, dass manche sich schämen eine züchtige Verbindung einzugehen.

Autor: DP