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Hieronymus (345-420) - Mönch Malchus

Die Geschichte von der Gefangenschaft des Mönch Malchus

1) Das Dörfchen Maronias ist von Antiochia, einer Stadt in Syrien, 30 Meilen, nicht weit östlich, entfernt. Nach vielen Herren und Schutzpatronen (wörtl.: Nachdem es entweder viele Herren oder Schutzpatronen hatte), während ich als junger Mann in Syrien verweilte, gelangte es [das Dörfchen] in den Besitz eines Bischofs, dem mir vertrauten Euagrius. Ich nenne diesen deshalb hier/an dieser Stelle, um zu zeigen, woher ich weiß, was ich geschrieben haben werde.

2) Dort war (besser: lebte) ein gewisser alter Greis namens Malchus, den wir lateinisch den König nennen können, (er war) Syrer von Nation und Sprache, wie tatsächlich ein Ureinwohner diesen Ortes. Auch eine alte Frau, die altersschwach und schon dem Tode nahe war, wurde in dessen Wohngesellschaft gesehen. Und beide waren so eifrig religiös, sodass sie die Türschwelle der Kirche abnutzten, sodass man sie für Zacharias und Elisabeth aus dem Evangelium hätte halten können – außer dass Ioannes nicht in ihrer Mitte weilte [wörtl: war]

3) Als ich neugierig bei den Nachbarn über diese fragte, was denn deren Band wäre, Ehe, Blut oder Glauben, antworteten alle einstimmig, dass sie Heilige und dem Gott nahe stehend seien und sonst (noch) irgendwelche bewundernswerte Sachen. Von der Begierde verlockt, machte ich mich an den Menschenund erkundigte mich noch neugieriger und brachte folgendes über diesen in Erfahrung:

4) „Ich“, sagte er, „mein Sohn, war ein Siedler des Landstückchens Nisbenius, und war der einzige für meine Eltern (Einzelkind). Als mich diese wie den Sprössling ihres Geschlechts und den Familien zur Hochzeit zwingen wollten, antwortete ich, dass ich lieber Mönch sein wolle. Mit wie viel Drohungen mich mein Vater, mit wie viel Schmeicheleien mich meine Mutter verfolgten, dass ich [doch] meine Keuschheit freigäbe, genügte dazu (wörtl.:diente allein als Grund dafür), dass ich Haus und Eltern verließ.

5) Und weil ich wegen der Nachbarschaft Persiens und der Bewachung römischer Soldaten nicht nach Osten gehen konnte, wand ich mich [wörtl.: wand ich meine Füße] zum Westen, während ich irgendeine kleine Summe Reisegeld mit mir trug, welches mich von der größten Not abhalten sollte. Warum viele Worte machen? Schließlich/Endlich gelangte ich zur Wüste Calchidos, die zwischen Immas und Boroea mehr zum Süden hin gelegen ist. Dort übergab ich mich, nachdem ich Mönche gefunden hatte, deren Lehre, indem ich meinen Lebensunterhalt mit meiner Hände Arbeit verdiente und die Freizügigkeit meines Fleisches durch Fasten zügelte.

6) Nach vielen Jahren kam mir der Gedanke, in meine Heimat zurückzukehren, solange meine Mutter noch lebte (ich hatte nämlich schon von dem Tod meines Vaters gehört), sowohl um sie ihrer Witwenschaft zu trösten, als auch nachher einen Teil des verkauften Besitzes den Armen zu geben, mit einem Teil ein Kloster zu gründen - und einen Teil mir selbst als Entschädigung für meine Kosten aufzuheben. (warum sollte ich mich beim Zugestehen meiner Treulosigkeit schämen?)

7) Deshalb fing mein Abt an zu schreiben, dass es eine Versuchung des Teufels sei, und dass unter dieser ehrenhaften Angelegenheit eine List des alten Feindes [des Teufels] versteckt sei. Dies sei wie ein Hund, der immer wieder dieselbe Dummheit begehe, so seien schon viele Mönche getäuscht worden, niemals gebe der Teufel sein offenes Gesicht preis.# Er nannte mir mehrere Beispiele aus der Bibel, mitunter dieses [wörtl.: unter diesen auch dieses], dass der Teufel auch (schon) im Anfang Adam und Eva durch die Hoffnung auf Göttlichkeit zu Fall brachte.

8) Und weil er (mich) nicht überzeugen konnte, bat er mich inständig nach dem er sich auf die Knie geworfen hatte, dass ich ihn nicht im Stich lassen sollte, mich nicht vergessen sollte und dass wer Hand an den Pflug anlegt und zurücksieht, nicht zum Reich Gottes geschickt wird. Ach ich Armer. Ich besiegte den Mahnenden, mit einem unglücklichem Sieg, indem ich erwog, dass jener nicht mein Wohl, sondern sein Vorteil suchte.

9) Nachdem er mich also aus dem Kloster geleitet hatte, als ob er mich bestatten würde, sagte er zuletzt zum „Lebewohlsagen“: „Ich sehe dich, mein Sohn, vom Brenneisen der Teufels gekennzeichnet. Ich frage nicht nach den Gründen, ich nehme keine Entschuldigungen an. Das Schaf, das aus dem Schafsstall schreitet, ist sofort den Bissen des Wolfes ausgesetzt.

10) Wenn man von Boroea nach Edessa geht [wörtl.: Für die, die von…gehen], ist dem öffentlichen Weg eine Wüste nahe, durch die Sarazenen mit immer unsteten Wohnsitz hin- und herziehen. Dieser Verdacht lässt eine Menge Reisender an den Routenendpunkten zusammenkommen, damit die drohende Gefahr durch gegenseitige Hilfe verringert werden kann. In meiner Karawane/Reisegesellschaft waren Männer, Frauen, Greise, Jugendliche und Kleinkinder, an der Zahl an die 70.

11) Und (siehe) da: Plötzlich stürmten arabisch nomadische Reiter von Pferden und Kamelen, heran, mit langhaarigen und mit Bänder umwickelten Häuptern oder halbnackten Körpern, Mänteln und hohen Stiefeln tragend [schleppend]. Die Köcher hingen von ihren Schultern herab und sie trugen lange Speere, während sie nicht gespannte Bögen [drohend] schwangen. Sie kamen nämlich nicht um zu kämpfen, sondern um Beute zu machen. Wir wurden fortgeschleppt, auseinander geworfen und in verschiedene Richtungen auseinander gezogen.

12) Nach langer Abwesenheit und Besitzer meines Erbes, kam ich zu einem einzelnen Herrn in die Sklaverei, und bereute meine Entscheidungen zu späte. Wir wurden geführt, vielmehr hoch auf den Kamelen durch die öde Wüste getragen, wir hingen (viel)mehr als dass wir saßen, wobei wir ständig [wörtl.: immer] unseren Untergang fürchteten. Halb rohes Fleisch war unser Essen und die Milch der Kamele unser Getränk.

13) Nachdem wir den großen Fluss [Eufrath ist gemeint] überquert hatten, gelangten wir endlich ins Innere der Wüste, wo wir, nachdem es (uns) befohlen worden war, nach den Bräuchen des Geschlechts unsere Nacken beugten, um so der Frau und den Kindern die Ehre zu erweisen. Hier gewissermaßen wie im Kerker eingesperrt und nach Veränderung der Kleidung, lernte ich es nackt spazieren zu gehen, denn die unmäßige Hitze ließ es zu, dass nichts, außer den Geschlechtsteilen, verhüllt wurde. Die Schafe wurden von mir zu den Weiden gebracht, und bei der Betrachtung der Übel genoss ich den Trost, weil ich seltener meine Herren und Mitsklaven sah.

14) Ich schien mir was vom heiligen Jakob zu haben und erinnerte mich an Moses, welche einst auch selbst in der Wüste Schafhirten gewesen waren. Ich ernährte mich von frischen Käse und Milch. Ich betete in einem fort und sang Psalme, welche ich im Kloster gelernt hatte. Meine Gefangenschaft erfreute mich, und ich sagte dem Ratschluss [wörtl.: Urteil] Gottes dank, weil ich den Mönch, den ich im Begriff gewesen war in der Heimat zu verderben, in der Wüste wieder gefunden hatte.

15) Oh nichts ist beim Teufel jemals sicher! Oh dessen zahlreichen [vielfältigen] und unaussprechlichen Hinterhalte! So fand mich der Neid auch im Verborgenen. Während der Herr seine Herde wachsen sah und nichts Betrügerisches [wörtl.: keine Neigung zum Betrügerischen] an mir finden konnte (ich wusste nämlich, dass der Apostel vorgeschrieben hatte, dass den Herren, sowie dem Gott treu zu dienen sei) und als er mich belohnen wollte, damit er sich mich ihm mehr vertraut machte, übergab er mir jene Mitsklavin, welche einst mit mir gefangen genommen worden war.

16) Und als ich ablehnte und sagte, dass ich Christ sei, und es mir nicht erlaubt sei die Frau eines Lebenden [Mannes] anzunehmen (da ja deren Mann, der mit uns gefangen genommen worden war und von einem anderen Herr fortgeführt worden war), fing jener Herr in seinem Zorn an mich mit einem gegen mich gerichteten, gezückten [wörtl.: gezogenem] Schwert anzugreifen. Und wenn ich mich nicht beeilt hätte, jene Frau flink zu umarmen, hätte er auf der Stelle mein Blut vergossen.

17) Schon war die Nacht ungewöhnlich dunkel und mir all zu früh hereingebrochen [wörtl.: gekommen]. Ich führte meine neue Ehefrau in eine halbverfallene Höhle und nachdem die Traurigkeit unsere Ehe gestiftet hatte und jeder von uns beiden den anderen ablehnte, gestanden wir es nicht. Dann nah ich meine Gefangenschaft wahr und fing an am Boden hingestreckt, den Mönch den ich verdorben hatte, laut zu beklagen und sagte:

1 8 „Bin ich Elender dafür gerettet worden? Bis dahin haben mich meine Untaten gebracht, damit ich mich schon ergrautem Haupt ein jungfräulicher Ehemann werde? Was nützt es, die Eltern, die Heimat und das Vermögen für den Herrn (Gott) verachtet zu haben, wenn ich dieses mache, was ich nicht machen würde, jene zu verachten. Es sei denn, dass ich dies(e Prüfungen) deshalb ertragen musste, weil ich meine Heimat begehrt habe.

19) Was sollen wir tun, (oh) Seele? Sollen wir zu Grunde gehen oder siegen? Erwarten wir die Hand Gottes oder sollen wir mit dem eigenen Schwert durchbohrt werden? Richte das Schwert gegen dich! Dein Tod [Tod der Seele] ist mehr zu fürchten als der des Körpers. Auch die bewahrte Keuschheit hat sein Märtyrertum. Möge der Zeuge Christi unbegraben in der Wüste liegen. Ich war mir selbst sowohl Verfolger, als auch Märtyrer.“

20) Nachdem ich so gesprochen hatte, zog ich das in der Dunkelheit glänzende Schwert heraus, richtete die Spitze gegen mich und sagte: „Lebe wohl, unglückliche Frau; du sollst mich lieber als Märtyrer als als Mann haben.“ Hierauf [wörtl.: dann] warf sich jene zu meinen Füßen nieder und sagte: „Ich bitte dich im Namen Jesus, ich bitte dich für die Not dieser Stunde, dass du nicht dein Blut vergießt, sodass die Schuld [sonst] auf mich fiele. Oder wenn es dir gefällt zu sterben, richte zuerst das Schwert gegen mich. Lass uns uns lieber so verbinden.

21) Auch wenn mein Mann zu mir zurückkehren würde, würde ich meine Keuschheit bewahren, welche mich die Gefangenschaft lehrte, aber ich würde mich umbringen, bevor ich mich verderben würde. Warum zögerst du, dass du nicht zustichst? Ich möchte sterben, wenn du willst, steche zu. Du sollst also mich als jungfräuliche Ehefrau haben und lieber die Verbindung der Seelen, als [der Verbindung] der Körper lieben. Die Herren erhofften sich einen Ehemann, der Christ wollte einen Bruder. Wir werden leicht zur Hochzeit überredet, als sie sahen so zu lieben.“

27) Nach der Rückkehr ins Schlafzimmer kam mir die Frau entgegen gelaufen. Ich konnte die Traurigkeit nicht durch den Gesichtsausdruck verbergen. Sie fragte, warum ich entmutigt sei. Sie hörte die Gründe. Ich schlug die Flucht vor, sie widersprach nicht. Ich bat um Stille; sie gab mir ihr Wort darauf, und wir schwankten mit ununterbrochenem Geflüster mitten zwischen Hoffnung und Furcht. In meiner Herde gab es [wörtl.: waren] zwei Ziegenböcke von außerordentlicher Größe. Nachdem ich sie umgebracht hatte, machte ich Schläuche und bereitete aus deren Fleisch Reiseproviant vor.

2 8) Und am ersten Abend, nachdem die Herren glaubten, wir hätten uns zum Schlafen zurückgezogen, machten wir uns auf den Weg, wobei wir die Schläuche und einen Teil Fleisch trugen. Und als zu einem Fluss gelangt waren (denn dieser war nur 10 Meilen entfernt), und uns nach Aufblasen und Besteigen der Schläuche dem Wasser anvertrauten, damit die Verfolger die Spuren verlieren würden, ruderten wir allmählich mit den Füßen, damit uns der Fluss abwärts trug und uns ein ganzes Stück weiter entfernt [wörtl.: weiter entfernt] als dass wir aufgestiegen waren, am anderen Ufer absetzte.

36) Nachdem wir also diesen Schrecken überstanden [wörtl.: ertragen] hatten, und den Tag zugebracht hatten, gingen wir gegen Abend hinaus. Und als wir Kamele entdeckten, die wegen ihrer außerordentlichen Schnelligkeit Dromedare genannt werden [wörtl.: , die sie …nennen], das Futter von vorher im Mund hin- und herwälzten und in den Bauch geschicktes (Essen) abermals zurückzogen. Nachdem wir auf diese aufgestiegen waren und durch eine Proviantkiste wieder zu Kräften gebracht worden waren, gelangten wir endlich am 10. Tag durch die Wüste zu einem römischen Lager, und nachdem wir vorgeführt worden waren, legten wir dem Kommandeur alle Ereignisse der Reihe nach dar.

37) Hierauf erhielten wir, nachdem wir zu Sabinianus, dem Befehlshaber Mesopotamiens, geschickt worden waren, einen Lohn für die Kamele. Und weil jener, mein Abt, schon beim Herrn (Gott) schlief, gab ich mich nach Abkommen des Weges diesem Ort zurück. Diese (die Frau) vertraute ich den Nonnen an, fürsorglich, als ob sie meine Schwester wäre, doch diese glaubten nicht, dass wir Geschwister seien.

38) Dies erzählte mir als Jugendlicher der alte Greis Malchus. Dies erzählte ich euch als alter Greis. Ich legte den Keuschen die Geschichte der Keuschheit dar. Ich ermutige die Jungfrauen ihre Jungfräulichkeit zu bewahren. Ihr (aber) erzählt es den Nachkommen, damit sie wissen, dass niemals zwischen Schwertern, Wüsten und wilden Tieren die Keuschheit gefangen werden kann, und dass der Christus geweihte Mensch (zwar) sterben, aber nicht besiegt werden kann.

Autor: Asphaltharald, Übersetzt von Maximilian Hilz Klasse 10b