Latein24.de

Calpurnius Siculus - Bucolica, 01, 01-21

Lateinisches Original:
Nondum solis equos declinis mitigat aestas,
quamuis et madidis incumbant prela racemis
et spument rauco feruentia musta susurro.
cernis ut ecce pater quas tradidit, Ornyte, uaccae
molle sub hirsuta latus exsplicuere genista?
nos quoque uicinis cur non succedimus umbris?
torrida cur solo defendimus ora galero?
Hoc potius, frater Corydon, nemus, antra petamus
ista patris Fauni, graciles ubi pinea denset
silua comas rapidoque caput leuat obuia soli,
bullantes ubi fagus aquas radice sub ipsa
protegit et ramis errantibus implicat umbras.
Quo me cumque uocas, sequor, Ornyte; nam mea Leuce,
dum negat amplexus nocturnaque gaudia nobis,
peruia cornigeri fecit sacraria Fauni.
prome igitur calamos et si qua recondita seruas.
nec tibi defuerit mea fistula, quam mihi nuper
matura docilis compegit harundine Ladon.
Et iam captatae pariter successimus umbrae.
sed quaenam sacra descripta est pagina fago,
quam modo nescio quis properanti falce notauit?


Deutsche Übersetzung:
(Corydon) Noch besänftigt nicht der scheidende Sommer die Pferde des Sonnengottes,
obwohl sich auch die Keltern auf die saftigen Trauben schon legen
und gärender Most mit dumpfen Summen schäumt.
Siehst du, Ornytus, wie da die Kühe, die unser Vater uns gab,
ihre weiche Flanke unter dornigen Ginster geschmiegt haben?
Warum gehen nicht auch wir zu den benachbarten Schatten?
Warum schützen wir unsere sonnengebrannten Gesichter nur mit einem Hut?
(Ornytos) Lass uns, Bruder Corydon, lieber den nahen Hain und diese Grotte des ehrwürdigen
Faunus aufsuchen, wo der Pinienwald sein zartes Laub verdichtet
und sein Haupt der auszehrenden Sonne entgegenstreckt,
wo eine Buche sprudelndes Wasser unter ihren Wurzeln
schützt und Schatten ineinander verwickelt, wenn ihre Zweige sich hin und her bewegen.
(C.) Wohin auch immer du mich rufst, ich werde dir folgen, Ornytus; denn meine Leuce
machte uns, während sie Umarmungen und nächtliche Freuden versagte,
heilige Stätten des gehörnten Faunus zugänglich.
Hol also die Rohrpfeife hervor und Lieder, wenn du irgendwelche im Verborgenen noch
hütest. Du wirst sehen, meine Rohrpfeife wird dir nicht fehlen, die mir neulich
der verständige Ladon aus reifem Rohr zusammengefügt hat.
(O.) Und schon sind wir beide zusammen unter den gesuchten Schatten gekommen.
Aber welche Zeilen sind denn auf der heiligen Buche geschrieben worden,
die eben irgend einer mit hastigem Winzermesser einritzt hat?

Autor: Rhadamanthys