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Georgicon - Buch 04, 453-527 (Orpheus und Eurydike)

Lateinisches Original:
"Non te nullius exercent numinis irae;
magna luis commissa: tibi has miserabilis Orpheus
haudquaquam ob meritum poenas, ni fata resistant,
suscitat et rapta graviter pro coniuge saevit.
Illa quidem, dum te fugeret per flumina praeceps,
immanem ante pedes hydrum moritura puella
servantem ripas alta non vidit in herba.
At chorus aequalis Dryadum clamore supremos
implerunt montes; flerunt Rhodopeiae arces
altaque Pangaea et Rhesi mavortia tellus
atque Getae atque Hebrus et Actias Orithyia.
Ipse cava solans aegrum testudine amorem
te, dulcis coniunx, te solo in litore secum,
te veniente die, te decedente canebat.
Taenarias etiam fauces, alta ostia Ditis,
et caligantem nigra formidine lucum
ingressus manesque adiit regemque tremendum
nesciaque humanis precibus mansuescere corda.
At cantu commotae Erebi de sedibus imis
umbrae ibant tenues simulacraque luce carentum,
quam multa in foliis avium se milia condunt
vesper ubi aut hibernus agit de montibus imber,
matres atque viri defunctaque corpora vita
magnanimum heroum, pueri innuptaeque puellae,
impositique rogis iuvenes ante ora parentum,
quos circum limus niger et deformis harundo
Cocyti tardaque palus inamabilis unda
alligat et noviens Styx interfusa coercet.
Quin ipsae stupuere domus atque intima Leti
tartara caeruleosque implexae crinibus angues
Eumenides, tenuitque inhians tria Cerberus ora
atque Ixionii vento rota constitit orbis.
Iamque pedem referens casus evaserat omnes;
redditaque Eurydice superas veniebat ad auras,
pone sequens, namque hanc dederat Proserpina legem,
cum subita incautum dementia cepit amantem,
ignoscenda quidem, scirent si ignoscere manes.
Restitit Eurydicenque suam iam luce sub ipsa
immemor heu! victusque animi respexit. Ibi omnis
effusus labor atque immitis rupta tyranni
foedera, terque fragor stagnis auditus Avernis.
Illa, Quis et me, inquit, miseram et te perdidit, Orpheu,
quis tantus furor? En iterum crudelia retro
Fata vocant, conditque natantia lumina somnus.
Iamque vale: feror ingenti circumdata nocte
invalidasque tibi tendens, heu non tua, palmas!
dixit et ex oculis subito, ceu fumus in auras
commixtus tenues, fugit diversa, neque illum,
prensantem nequiquam umbras et multa volentem
dicere, praeterea vidit, nec portitor Orci
amplius obiectam passus transire paludem.
Quid faceret? Quo se rapta bis coniuge ferret?
Quo fletu Manis, quae numina voce moveret?
Illa quidem Stygia nabat iam frigida cumba.
Septem illum totos perhibent ex ordine menses
rupe sub aëria deserti ad Strymonis undam
flesse sibi et gelidis haec evolvisse sub antris
mulcentem tigres et agentem carmine quercus;
qualis populea maerens philomela sub umbra
amissos queritur fetus, quos durus arator
observans nido implumes detraxit; at illa
flet noctem ramoque sedens miserabile carmen
integrat et maestis late loca questibus implet.
Nulla Venus, non ulli animum flexere hymenaei.
Solus Hyperboreas glacies Tanaimque nivalem
arvaque Riphaeis numquam viduata pruinis
lustrabat raptam Eurydicen atque inrita Ditis
dona querens; spretae Ciconum quo munere matres
inter sacra deum nocturnique orgia Bacchi
discerptum latos iuvenem sparsere per agros.
Tum quoque marmorea caput a cervice revulsum
gurgite cum medio portans Oeagrius Hebrus
volveret, Eurydicen vox ipsa et frigida lingua
ah miseram Eurydicen! anima fugiente vocabat:
Eurydicen toto referebant flumine ripae".


Deutsche Übersetzung:
Der Zorn keiner Gottheit quält dich, du büßt die großen Verbrechen: dir keineswegs der beklagenswerte Orpheus wegen dem Verdienst erregt diese Strafen, dass nicht das Schicksal halt macht und für die geraubte Ehefrau wütete. Jene freilich, während sie dich kopfüber durch die Flüsse meidet, sah das bald sterbende Mädchen in dem hohen Gras die schreckliche Wasserschlange vor den Füßen nicht. Aber der gleichaltrige Chor der Dryaden hat die höchsten Berge mit Geschrei erfüllt; die rhodopeischen Berggipfel, die pangaeischen Höhen, die zu Mars gehörige Erde des Rhesus, Geten und Hebrus und Actias Orithyia weinten. Er selbst sang, der es pflegte mit der gewölbten Laute die kranke Liebe, dich, lieblich/süße Ehefrau, dich singt er mit sich an der einsamen Küste, dich, als der Tag kam, dich, als er wegging. Auch betrat er den Taenarischen Schlund, die hohen Pforten der Ditis und den in Dunkel gehüllten, einer Gottheit geweihten Hain, durch finstere Angst und trat an die Manen, den furchtbaren König und die unwissenden Herzen mit menschlichen Bitten. Aber durch den Gesang gingen die bewegten Schatten der Ereben von den untersten Plätzen/Wohnsitzen, die Zarten, und durch das Licht frei Schattenbilder, wie viele tausend der Vögel sich in dem Laub/verbergen sobald der Abend oder der winterliche Regen von den Bergen sie hetzt/bewegt, Mütter und Männer und von dem Leben vollendete/gestorbene Körper von mutigen Helden, Knaben und unverheiratete Mädchen, und junge Männer, die in Gräber/auf den Scheiterhaufen gelegt wurden vor den Augen der Eltern, um die schwarzer Schlamm und gestaltloser Bambus des Cocytus und der durch die Welle nicht liebenswürdiger träger Sumpf festbindet und die neunmal dazwischenfließende Styx mit Gewalt zusammenhält/einschließt/straft. Ja sogar die Häuser selbst stutzten/waren starr und der innerste Tartarus des Letus und die Eumeniden, die bläuliche Schlangen in den Haaren verflochten hatten, und hielt Cerberus die drei Münder aufgesperrt, und durch den Wind machte das Rad des Erdkreises/des Kreises des Ixion halt. Und schon brachte Orhpeus den Fuß zurück/tritt zurück/ging zurück und es waren alle Zufälle/Fälle entkommen; die zurückgekehrte Eurydike kam zu den oberen Lüften, hinter ihm folgend, denn Proserpina hatte auch dieses Gesetz gegeben, wenn/als den Liebenden und unvorsichtigen plötzlicher Wahnsinn ergriffen hat, freilich ein zu verzeihender/einer, der verziehen werden muss, wenn die Manen zu verzeihen wüssten. Er gab nach und schon war seine Eurydice unter dem Licht selbst, sich nicht erinnernd, ach! Des Geistes/Herzens besiegt, blickte er zurück. Dort war die ganze Anstrengung zerstreut, die Verträge/Bündnisse des gewaltsamen Tyrannen gebrochen, und dreimal wurde das Zerbrechen von den avernischen Seen gehört. Jene hat gesagt: Wer hat mich arme und dich zugrunde gerichtet, Orpheus, was für ein Wahnsinn? Sieh da, wiederum rief sie das grausame Schicksal zurück, und der Schlaf gründete die schwimmenden Lichter (?) Und schon leb wohl: ich werde dir Außerordentlichem durch die umgebene Nacht getragen und dir, die Hände/Handflächen entgegenstreckend, weh, nicht deins! Sagte sie und plötzlich aus den Augen floh sie nach der entgegengesetzten Seite gekehrt/in eine andere Gegend, als ob der Rauch in den zarten Lüften vermischt worden ist, und sah jenen nicht, der vergeblich die Schatten ergriff und viel sagen wollte. Und außerdem ließ der Fährmann des Orcus es nicht weiter zu, den vorliegenden Sumpf weiter zu überschreiten. Was hätte er tun sollen? Wohin hätte er sich tragen sollen, nachdem die Ehefrau zweimal geraubt worden ist? Durch welches Weinen hätte er die Manen, wie die Gottheiten durch die Stimme bewegen können? Jene freilich schwamm schon auf dem kalten Stygischen Kahn. Sie sagen, dass jener sieben ganze Monate aus der Reihe unter einem himmlischen/luftigem Fels verlassen bei der Woge des Strymon geweint, für sich sich dies unter den eiskalten Höhlen die Tiger besänftigt habe und die Eiche mit einem Lied bewegt habe. Wie beklagt die trauernde Nachtigall unter dem Schatten von Pappeln die verlorenen Jungen, die der hartherzige Pflüger/Pflanzer/Pächter beobachtend die Unbefiederten aus dem Nest entrissen hat. Aber jene, die auf einem Ast saß, weinte die Nacht hindurch und erneuerte das beklagenswerte Lied und erfüllt die ganze Gegend mit traurigen Klagen. Keine Venus, keinen Geist von irgendeinem Hymenaeus haben sie gebeugt. Allein erhellte er des Hyperboreische Eis und den schneebedeckten Tanais und die Felder waren niemals von dem Riphaeischen Reif beraubt, und beklagte die beraubte Eurydice und das ungültige Geschenk der Ditis; die verschmähren Mütter der Ciconen durch dieses Geschenk zerstreuten durch/über die weiten Äcker zwischen den Gott und der heiligen Orgien des nächtlichen Bacchus den zerpflückten/zerrissenen jungen Mann. Dann wälzte auch der tragende Oeagrius Hebrus das Haupt aus Marmor von dem Nacken gerissen mit dem mittleren Strudel/Abgrund und die Stimme selbst rief „Eurydice“ und die kalte Zunge: „Oh arme Eurydike!“ als die Seele floh „Die Ufer bringen Eurydice durch den ganzen Fluss zurück!“

Autor: Bastian Stephan