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Aeneis - Buch 06, 081-097

[Anmerkung des Verfassers: Nicht an der Tibermündung, sondern in Cumae (bei Neapel) betritt Aeneas italischen Boden. Sein erster Besuch gilt dem Apollo-Tempel. Eine riesige Höhle (mit 100 Schächten) ist Sitz der Apollopriesterin, der Sibylle, die den Aeneas - entsprechend den Andeutungen des Helenus und des Anchises über sein weiteres Schicksal aufklären wird. [Anmerkung Ende]]

[81] Und schon stehen die 100 riesigen Löcher des Hauses/Tempels
wie von selbst offen und sie tragen die Antworten der Priesterin durch die Luft:
"O, endlich hast du die großen Gefahren des Meeres überstanden
- aber die noch gravierenderen/gefährlicheren des Erdbodens bleiben noch -, die Trojaner kamen in
das Königreich Lavinium - verbanne die Sorge aus deiner Brust-, aber
sie werden wollten nicht gekommen zu sein. Kriege, schreckliche Kriege und
am Tiber viel schäumendes Blut habe ich gesehen.
Dir fehlen sicher weder Sinois, noch Xanthus, noch die Lager der Griechen;
Latium hat schon einen anderen Achilles hervorgebracht, dort
[90] geboren und ebenfalls von einer Göttin; und Juno fehlt den Trojanern
irgendwo wieder nicht, wenn du, flehend nach den Sachen bittest;
welche Völker Italiens oder welche Städte hast du nicht angefleht?
Der Grund des größten Übels wird wieder eine Ehefrau sein und feindlich gegenüber den Tojanern
werden wiederum die Hochzeiten mit einer Fremden sein.
Gehe du nicht dem Übel aus dem Weg, sondern gehe ihm kühn entgegen,
wohin dich deine Fortuna/dein Schicksal führt. Der erste Weg des Heils wird
- wa du am wenigstens glaubst - von einer griechischen Stadt offenbart.

Autor: Martin Stangl