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Aeneis - Buch 04, 129-159

Inzwischen hat die aufsteigende Aurora den Ozean verlassen. Die auserwählte Jugend geht durch die Tore, nachdem die Sonne aufgegangen war, es sind weitmaschige Netze, Netze, Jagdspieße mit breitem Eisen dabei, und die massylischen Reiter stürzen und eine witternde Menge an Hunden. Die ersten der Punier erwarten die im Schlafgemach zögernde Königin bei den Schwellen und ein von Purpur und Gold geschmücktes Ross stand da und das Wilde kaute auf den schäumenden Zügeln herum. Endlich schreitet die vom sidonischen Kriegsmantel mit einem bemalten Saum Umgebene hervor, während die große Schar sie dicht umdrängte; dieser ist ein Köcher aus Gold (umgehängt), ihr werden die Haare in ein goldenes Netz zusammengeschnürt, eine goldene Klammer hält das purpurne Gewand zusammen. Und wohl auch schreiten die phrygischen Begleiter wie auch der fröhliche Julus einher. Vor allen anderen trägt sich der sehr schöne Äneas als Gefährte hinein und verbindet die Heereszüge. Wie sobald Apollo das winterliche Lykien und die Fluten des Xanthos verlässt und das mütterliche Delos besucht und die Chöre aufstellt und um die Altare herum die Kreter und Dryopeden und die bemalten Agathyrsäer vermisch lärmen; er selbst schreitet am Berge des Cynthus und drückt mit sanftem Laubwerk formend das strömende Haar und wickelt es in Gold ein, die Wurfgeschosse tönen auf seinen Schultern: Nicht träger als jener ging Aeneas, so große Zierde leuchtet aus dem außergewöhnlichen Antlitz hervor. Nachdem man auf die Anhöhen des Berges gekommen ist und zum unwegsamen Morast, schau: Die wilden Ziegen, vom Gipfel des Felsens herabgeworden, rennen vom Berg herunter; aus einem anderen Teil ziehen sie im Kurs über die offenen Felder hinüber und Hirsche scharen in staubiger Flucht Herden zusammen und verlassen die Berge. Aber der Junge Ascanius freut sich in mitten der Täler über sein eifriges Pferd und schon geht er diesen im Lauf, schon jenen voraus, und er wünscht in Gebeten, dass ein schäumender Eber zwischen dem faulen Vieh gegeben werde oder dass ein rotgoldener Löwe vom Berge herabsteige.

Autor: Seemann