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Elegie - Buch 1 (3, 35-50) (Goldenes Zeitalter)

Wie gut lebte man unter der Herrschaft Saturns, bevor die Erde für weite Reisen erschlossen wurde! Noch nicht hatte das Schiff aus Fichtenholz die Furcht vor den blauen Wellen verloren und sein geblähtes Segel den Winden überlassen, und nicht hatte der rastlose Seemann Gewinn aus unbekannten Ländern hergeholt und das Schiff mit fremder Ware beladen. Noch nicht ertrug zu jener Zeit der kräftige Stier das Joch, noch nicht kaute das Pferd mit gezähmten Maul am Zügel, kein Haus hatte Türen, kein Stein, der die Fluren mit sicheren Grenzen abstecken sollte, war auf den Äckern eingegraben. Von selbst gaben die Eichen Honig und freiwillig boten die Schafe den sorglosen Menschen ihre milchstrotzenden Euter dar. Es gab keine Schlachtreihe, keine Kampfeswut, keine Kriege und kein grausamer Schmied hatte mit harter Kunst ein Schwert geschmiedet. Nun unter der Herrschaft Jupiters gibt es Mord und immer Wunden, nun gibt es das Meer, nun plötzlich tausend Wege für den Tod.

Autor: OstR. Prof. Mag. Dr. Franz KREMSER