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Germania - 43-45

43 Im Rücken der Marcomannen und Quaden umgeben sie die Marsigner, Cotiner, Oser und Burer. Von diesen zählen sich die Marsigner und Burer durch Sprache und Lebensweise zu den Sueben; bei den Cotinern beweist die gallische, bei den Osern die pannonische Sprache, dass sie keine Germanen sind und weil sie Tribute hinnehmen. Einen Teil der Tribute bürden die Sarmaten, ein Teil die Quader auf, weil sie fremde Stämme sind; die Cotiner, damit es noch schädlicher ist, graben sie auch Eisen aus. Alle diese Völker siedeln sich wenige an ebenen Flächen an, die übrigen im Wald und auf Bergspitzen; es trennt und spaltet nämlich die Sueben ein fortlaufender Berggürtel, jenseits von diesem siedeln sehr viele Stämme. Von diesen ist am weitesten der Namen der Lugier verbreitet, die in mehrere Stämme zerstreut sind. Es wird genügen, die Stärksten aufzuzählen, Harier, Helvekonen, Manimer, Helisier und Nahanarvaler. Bei den Nahanarvalern wird in einem Wald ein alter Kult gezeigt. Ihn leitet ein Priester in Frauenkleidung, aber die Götter erinnern, nach römischer Auslegung an Castor und Pollux. Diesen ist Kraft und Wesen, der Name ist Alcen. Es gibt keine Bilder, keine Spur auf einen ausländischen Kult; dennoch verehrt man sie wie Brüder, wie junge Männer. Im übrigen sind sie über den Soldaten hinaus, durch welche sie die kurz zuvor aufgezählten Völker übertreffen, bedrohlich: die angeborene Wildheit fördern sie durch Kunstfertigkeit und durch den günstigen Zeitpunkt; schwarz sind die Schilde, gefärbt die Körper; nachts sammeln sie sich zum Kampf und durch die schaurigen Schatten selbst des todbringenden Heeres flößen sie Schrecken ein, kein Feind hält den neuen und gleichsam höllischen Anblick aus; denn zuerst werden in allen Kämpfen die Augen besiegt.

44 Nördlich der Lugier werden die Gotonen schon ein wenig strenger als die übrigen Stämme Germaniens beherrscht, trotzdem noch nicht über das Maß der Freiheit hinaus. Unmittelbar hierauf am Ocean sind die Rugier und Lemovier. Und Kennzeichen allen diesen Stämmen sind runde Schilde, kurze Schwerter und Gehorsam gegenüber den Königen. Hier nahe am Ocean selbst, sind die Stämme der Svionen durch Männer, Waffen und der Flotte mächtig. Das Äußere dieser Schiffe macht von sich Rede, dass der Bug auf beiden Seiten immer eine zur Landung bereite Vorderseite zur Verfügung stellt. Weder bedienen sie sich eines Segels, noch binden sie Ruder in Reihen an die Seiten; Locker, wie bei einigen Flussschiffen, und veränderbar, wie es die Sache erfordert, ist das Ruder auf beiden Seiten. Bei jenen ist auch Reichtum in Ehren, deshalb befiehlt einer ohne Ausnahme, mit absoluten Anspruch auf Gehorsam. Auch sind Waffen nicht wie bei den übrigen Germanen in gemeinschaftlichen Besitz, sondern verschlossen unter Bewachung, und zwar von einem Sklaven, weil ein plötzlicher Einfall der Ozean fernhält, ferner untätige bewaffnete Hände leicht übermütig sind; In der Tat ist es von Nutzen der Könige weder einen Vornehmen, noch einen Freigeborenen, ja noch einen Freigelassenen die Waffen voranzustellen.

45 Nördlich der Svionen ist ein anderes Meer, träge und auch beinahe unbeweglich, dass dieses den Erdkreis umgibt und umschließt ist daher glaubhaft, weil der letzte Schein der schon glänzenden Sonne im Osten besonders hell fortdauert, dass er die Sterne erblassen lässt; überdies hört man den Ton der aufgehenden Sonne und die Schönheit der Pferde und die Strahlenkrone auf dem Haupt erblicken, fügt der Glaube hinzu. Bis dahin ist das Gerücht; so weit ist die wahre Natur, deshalb werden an der rechten Küste des Suebischen Meeres die Stämme der Ästier umspült, denen Brauch und Aussehen der Sueben sind, die Sprache der britannische näher. Sie verehren eine Muttergottheit. Als Zeichen des Aberglaubens tragen sie Bilder von Ebern; dies ist für Waffen, es verschafft den Verehrern der Göttin Schutz vor allen Sorgen auch unter Feinden. Selten sind Schwerter, häufig Knüppel in Gebrauch. Getreide und die übrigen Früchte bauen sie mit mehr Geduld an, als es bei der gewohnten Trägheit der Germanen ist. Aber sie durchsuchen auch das Meer und als einzige auch von allen sammeln sie Bernstein, den sie selbst Glesum nennen, in den Flussbetten und auch selbst am Strand. Aber aus welcher Substanz und aus welcher Beschaffenheit er entsteht, ist nicht, wie es bei Barbaren zu erwarten ist, untersucht und in Erfahrung gebracht; ja, lange warf man es sogar zwischen den übrigen Auswurf des Meeres, bis unsere Prunksucht Ruhm Gab. Sie selbst haben keinen Nutzen; roh werden sie gesammelt, ungeformt übergeben, und mit Verwunderung nehmen sie Geld an. Dass es jedoch Saft der Bäume ist, erkennst du, weil einige kriechende und Sogar auch in den meisten Fällen fliegende Tiere durchschimmern, welche durch die Flüssigkeit verklebt sind und nach dem Aushärten der Masse eingeschlossen werden. Daher glaube ich, dass fruchtbare Haine und Wälder wie im entlegenen Orient, wo Weihrauch und Balsam geschwitzt wird, so auch auf den Inseln und Ländern des Occidents sich befinden: diese sind durch die Strahlen der nahen Sonne herausgepresst und fließen in das benachbarte Meer und durch die Kraft des Sturmes an die gegenüberliegende Küste gespült. Wenn man die Beschaffenheit des Saftes durch Feuer prüft, wird es wie eine Kiefer entflammt und bringt eine dicke und duftende Flamme hervor; sobald wird es wie Pech und Harz zäh.

An die Svionen folgen unmittelbar die Stämme der Sithonen. Im übrigen ähnlich, unterscheiden sie sich in Einem, weil eine Frau herrscht; so sehr schlagen sie nicht nur bei Freien, sondern auch bei Sklaven aus der Art.

Autor: manlius-severus