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Germania - 37-39

37 An der gleichen Bucht Germaniens, dem Ozean am nächsten, wohnen die Cimber, nun ein kleines Volk, aber von gewaltigem Ruhm; und vom alten Ruf sind reichliche Überreste geblieben, auf beiden Seiten des Ufers sind geräumige Lager, deren Umfang man noch heute messen kann die Masse und Arbeit des Stammes und so bekommt man für die große Auswanderung die Bestätigung. Im sechshundertvierzigsten Jahr stand unsere Stadt, als man zum ersten Mal von der Heeresmacht der Cimber hörte, als Caecilius Metellus und Papirius Carbo Consuln waren. Wenn wir seit diesem zweiten Consulat des Kaisers Traian rechnen, werden ungefähr zweihundertzehn Jahre zusammengehäuft: so lange wird Germanien besiegt. In dieser so lange andauernden Zeit sind im Wechsel viele Niederlagen. Nicht die Samniten, nicht die Punier, nicht Spanien und Gallien, noch nicht einmal die Parther haben öfter ermahnt: freilich ist die Herrschaft des Arsaces schärfer, als die Freiheit der Germanen. Was nämlich anderes hat uns der von Ventidius unterworfene Orient preisgegeben, als den Tod des Crassus, auch er selbst verlor den Pacorus? Aber die Germanen haben den Carbo, den Cassius, den Scaurus Aurelius, den Servilius Caepio und Maximus Mallius in die Flucht geschlagen oder gefangen genommen, zugleich fünf consularische Heere vom römischen Volke, und Varus mit diesem drei Legionen auch dem Caesar vernichtet; und nicht ohne Schaden haben Caius Marius in Italien, der göttliche Iulius in Gallien, Drusus und auch Nero und Germanicus in ihrer eigenen Heimat geschlagen. Bald kehrte sich die gewaltige Drohung des Caius Caesar in Gespött um. Seitdem ist Ruhe, solange bis durch die Gelegenheit unserer Zwietracht und dem Bürgerkrieg die Winterlager der Legionen eroberten, auch Gallien zu erringen suchten und auch wieder vertrieben wurden; seitdem sind in der nächsten Zeit mehr Triumphe als Siege gefeiert worden.

38 Nun muss man über die Sueben sprechen, von welchen es nicht einen Stamm, wie bei den Chatten und Tencterern, gibt; sie nämlich halten einen ziemlich großen Teil Germaniens inne und bis jetzt sind sie in eigentümlichen Stämmen mit eigenen Namen abgesondert, obwohl sie im allgemeinen Sueben genannt werden. Kennzeichen des Stammes ist es, dass das Haar seitwärts gestrichen und zu einem Knoten gebunden ist. So unterscheiden sich die Sueben von den übrigen Germanen, so die Freigeborenen der Sueben von den Sklaven. Bei anderen Stämmen ist entweder durch irgendeine Verwandtschaft mit den Sueben oder, was öfter geschieht, durch Nachahmung seltenes und in der Jugendzeit bei den Sueben: bis ins Alter kämmen sie das zersauste Haar zurück und oft binden sie es lediglich auf dem Scheitel fest. Die Fürsten zeigen es auch ziemlich geschmückt; dies ist Sorge der Schönheit, aber sie ist rechtschaffen; nämlich nicht damit sie lieben und geliebt zu werden, sondern um größer zu sein und Schrecken zu verbreiten, wenn sie in den Krieg ziehen, schmücken sie sich für die Augen der Feinde.

39 Als die Ältesten und Vornehmsten der Sueben bezeichnen sich die Semnonen. Die Glaubwürdigkeit der Geschichte wird durch einen Aberglauben gestärkt. An einem festen Zeitpunkt kommen in einem heiligen Wald, durch die Väter geweiht und durch altehrwürdige religiöse Ehrfurcht, Abgeordnete aller Völker des gleichen Blutes zusammen und töten öffentlich einen Menschen und sie feiern des barbarischen Kults schrecklichen Anfang. Auch dem Ort ist andere Ehrerbietung: niemand, wenn nicht in Fesseln gebunden, betritt ihn, damit man die Unterlegenheit und die Stärke der göttlichen Macht hinnimmt. Wenn man durch Zufall hinfällt, ist es nicht gestattet sich zu erheben und sich aufzurichten: auf dem Boden wird er vertrieben. Der ganze Aberglaube geht zurück, dass hier der Ursprung des Stammes ist, dort ist der alles beherrschende Gott, das Übrige ist unterworfen und gehorcht. Das Glück fügt den Sermonen Ansehen hinzu: sie wohnen in einhundert Gauen, und durch die Größe der Gemeinschaft kommt es zustande, dass sie sich für die Spitze der Sueben halten.

Autor: manlius-severus