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Germania - 25-27

25 Im übrigen gebrauchen sie die Sklaven nicht nach unserer Sitte, geordnet nach den Aufgaben der Dienerschaft; jeder führt seinen Wohnsitz, seinen Herd. Ein Maß Getreide oder Vieh oder Kleidung legt der Herr wie ein Pächter auf, und der Sklave gehorcht so weit; die übrigen Pflichten des Hauses ertragen die Ehefrau und auch die Kinder. Einen Sklaven zu prügeln und auch mit Fesseln und Arbeiten zu züchtigen, ist selten; zu töten pflegen sie, nicht wegen der Ordnung und Strenge, sondern durch das Ungestüm und den Zorn wie einen Feind, außer dass es straflos ist. Freigelassene sind viel über den Sklave, selten haben sie irgendeinen Einfluss im Haus, niemals in der Gemeinschaft, ausgenommen höchsten bei diesen Stämmen, welchen ein König ist. Dort nämlich steigen sie sowohl über die Freigeborenen, als auch über die Vornehmen auf; bei den übrigen ist die untergeordnete Stellung der Freigelassenen ein Beweis der Freiheit.

26 Wuchergeschäft zu betreiben und Zinsen zu nehmen ist unbekannt; deshalb ist es besser behütet, als wenn es verboten wäre. Das Ackerland wird nach der Anzahl sämtlicher Bauern in Besitz genommen, dies wird bald unter sich zugunsten der Stellung geteilt. Leicht wird das Teilen begünstigt durch die Größe der Felder. Das Ackerland wechseln sie jedes Jahr, und Ackerland ist im Überfluss vorhanden. Denn sie kämpfen nicht mit der Fruchtbarkeit und dem weiten Raum des Bodens durch Arbeit, so dass sie Obstgärten anlegen und Wiesen abgesondert schaffen und Gärten bewässern; allein die Saat wird der Erde auferlegt. Deshalb trennen sie das Jahr selbst auch nicht in ebenso viele Teile; vom Winter und Frühling und Sommer haben sie Kenntnis und auch Namen, vom Herbst werden ebenso der Namen wie auch die Gaben nicht gekannt.

27 Bei den Beerdigungen ist kein Aufzug; auf dies allein wird geachtet, dass die Körper berühmter Männer mit bestimmten Hölzern verbrannt werden. Den Scheiterhaufen machen sie weder durch Teppiche noch durch Düfte vollkommen. Jedem wird seine Waffe, bei manchen wird beim Verbrennen auch das Pferd hinzugetan. Als Grab wird ein Rasenhügel errichtet; der Denkmäler steile Höhe und Kunstfertigkeit weisen sie als Ehre wie als Last der Toten zurück. Das Wehklagen und auch Tränen geben sie leicht auf, Schmerz und Traurigkeit dauert lange. Den Frauen ist es Tugend zu trauern, den Männern zu gedenken.

Dies haben wir im Allgemeinen über alle Germanen, von Ursprung und auch Sitte erfahren; nun werde ich im einzelnen der Stämme Einrichtungen und Riten, soweit sie sich unterscheiden und welche Völker aus Germanien nach Gallien gewandert sind, darlegen.

Autor: manlius-severus