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Germania - 22-24

22 Sogleich nach dem Schlaf, den sie meistens in den Tag hineintragen, baden sie, öfters warm, weil bei diesen meistens der Winter herrscht. Nach dem Baden nehmen sie das Essen; getrennt ist jedem einzelnen der Sitz und jedem ist sein eigener Tisch. Darauf ist man beim Geschäft und nicht selten gehen sie in Waffen zu Gelagen weiter. Den Tag und die Nacht ununterbrochen zu zechen ist keine Schande. Häufig, wie es zwischen Betrunkenen ist, wird Zank selten durch Geschrei, öfters durch Mord und Verwundungen ein Ende gemacht. Aber auch über die Versöhnung gegenseitiger Feinde und Verbindungen von Freundschaften und annehmen von Fürsten, über Frieden ja sogar über Krieg beratschlagen die meisten bei Gelagen, gleichwohl als ob es keine größere Zeit weder für einfache Gedanken gesetzt sei dem Geist, oder man für Größeres entflammt werde. Das Volk, nicht listig noch schlau, enthüllt die geheimen Gesinnungen bei der Leichtfertigkeit des Scherzes; also ist aufgedeckt und unverhüllt die Gesinnung aller. Am nächsten Tag zieht man sich zurück, und ganz vernünftig ist beider Zeitpunkt: sie entscheiden, während sie nicht etwas vorzumachen wissen, sie beschließen, während sie nicht irren können.

23 Als Getränk ist ein Saft aus Gerste und auch Weizen, welcher, ähnliche des Weines, vergoren ist; die nahe des Ufers sind, kaufen Wein. Das Essen ist einfach, wild wachsendes Obst, frisches Wild und auch geronnene Milch: ohne Prunk, ohne Annehmlichkeit vertreiben sie den Hunger. Gegenüber Durst ist nicht die gleiche Selbstbeherrschung: wenn man die gewährte Trunkenheit bewilligt, wie viel sie verlangen, werden sie nicht weniger leicht durch diesen Fehler wie durch Waffen besiegt.

24 An Art der Schauspiele ist eines und noch dazu ist es bei allen Versammlungen das gleiche: nackt werfen sich die Jungen, für welche dies Spiel ist, im Sprung zwischen den Schwertern und auch drohenden Framen. Die Übung hat Kunst hervorgebracht, die Kunst der Anmut, nicht des Gewinnes oder gleichwohl des Preises: für die noch so übermutige Tollkühnheit ist der Preis das Vergnügen der Zuschauer. Das Würfelspiel, was erstaunlich sei, betreiben sie nüchtern am späten Abend mit solcher Leichfertigkeit bei Gewinn und Verlust, dass, wenn sie alles verloren haben, beim allerletzten Wurf Freiheit und Körper setzen. Der Verlierer geht mit Zustimmung in die Sklaverei; auch wenn er jünger, auch wenn er stärker ist, duldet er es sich fesseln zu lassen und auch zu gehen. Diese Beharrlichkeit ist an verdrehter Sache, sie nennen es Ehrlichkeit. Die Sklaven dieser Übereinkunft werden durch Handel weitergegeben, damit sie sich auch von der Schande des Gewinnes loslösen.

Autor: manlius-severus