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Germania - 16-18

16 Dass die Völker Germaniens in keinen Städten wohnen, ist genug bekannt, ja, dass sie es nicht ertragen unter sich in zusammenhängenden Wohnungen zu sein. Sie wohnen abgesondert und auch verstreut, wie eine Quelle, wie ein Feld, ein Hain gefällt. Sie errichten Dörfer nicht nach unserer Sitte mit eng verbundenen und zusammenhängenden Gebäuden; sein Haus umgibt ein jeder mit einem Zwischenraum, entweder als Hilfsmittel gegen das feindliche Unglück eines Feuers, oder aus Unkenntnis des Bauens. Nicht einmal Bruchsteine oder Dachziegel sind bei jenen in Gebrauch; sie gebrauchen hässliches Bauholz für alles und das weniger Schönheit und Ergötzung hat. Einige Wohnungen bestreichen sie sorgfältig mit so heller und glänzender Erde, dass es ähnlich wie Malerei und auch farbige Linien ist. Sie pflegen auch unterirdische Höhlen zu graben und diese bedecken sie mit viel Mist, als Zufluchtsort im Winter und als Sammelplatz der Feldfrüchte, weil den strengen Frost diese Art von Gruben mildern, und wenn einmal ein Feind kommt, zerstört er offenkundiges, aber das Verborgene und Eingegrabene wird entweder übersehen oder es entgeht eben deshalb, weil man es suchen müsste.

17 Als Bedeckung ist allen ein großer Wollmantel, der durch eine Fibel oder, wenn sie nicht vorhanden ist, mit einem Dorn zusammengehalten wird; die übrige Zeit sind sie ganz unbekleidet und verbringen deshalb ganzen Tage dicht am Herd und auch am Feuer. Die Wohlhabendsten werden durch die Kleidung unterschieden, die nicht wallend, wie bei den Sarmaten und auch Parthern, sondern dicht ist und einzelne Glieder erkennen lässt. Sie tragen auch Felle wilder Tiere, die nahe dem Ufer sind kümmern sich nicht darum, die weiter weg sind, sind ausgefallener, wie welche, die sich nicht durch Handelsgüter pflegen. Sie wählen Tiere aus und bespritzen die abgezogenen Felle mit Flecken von mit Fell bekleideten Ungeheuern, welche der äußere Ocean und auch das unbekannte Meer hervorbringt. Nicht anders ist die äußere Erscheinung der Frauen als die der Männer, außer, dass sich die Frauen öfters mit leineneren Mäntel verhüllen und diese Purpur färben und den oberen Teil der Kleider lassen sie nicht in Ärmeln verlängern, so dass der Arm bis zum Oberarm nackt ist; aber auch der nahe Teil der Brust ist frei.

18 Jedoch sind dort die Ehen streng, und keinen Teil der Sitten sollte man größer loben. Denn fast als einzige der Barbaren sind sie mit einer Ehefrau zufrieden, ausgenommen sind gar wenige, welche nicht aus Lust, sondern wegen der vornehmen Herkunft um mehrere Ehen gebeten werden. Die Mitgift bietet nicht die Ehefrau dem Ehemann dar, sondern der Ehemann der Ehefrau. Anwesend sind die Eltern und Verwandte und prüfen das Geschenk, die Geschenke sind nicht zum Vergnügen der Ehefrau ausgesucht, noch, dass die neu Verheiratete geschmückt werde, sondern Rinder, ein gezäumtes Pferd, ein Schild mit Frame und ein Schwert. Mit diesen Geschenken wird die Ehefrau angenommen und auch sie selbst bietet als Gegenleistung dem Mann irgendeine Waffe dar: dies erachten sie als größtes Band, dies als geheimer heiliger Brauch, dies als Verbindung mit den Göttern. Damit nicht die Ehefrau glaubt, sie sei außerhalb des Gedankens der Tapferkeit und des Kriegsfalls, wird sie selbst am Anfang der Ehe durch ein Vorzeichen aufgefordert, dass sie kommt in Mühen und Gefahren als Gefährtin, dass sie das gleiche in Frieden, das gleiche im Kampfe ertragen und wagen wird; dies verkünden die eingespannten Ochsen, dies die gerüsteten Pferde, dies die übergebenen Waffen. So müssen sie leben, so vergehen; sie nehmen an, was sie den Kindern unbeschädigt und wertvoll weitergeben können, was die Schwiegertöchter annehmen und von neuem an die Enkel übergeht.

Autor: manlius-severus