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Germania - 13-15

13 Nichts aber, ob öffentliche oder private Angelegenheit, erledigen sie ohne Waffen. Aber Waffen zu tragen ist nicht bei diesen Sitte, als dass die Gemeinschaft ihn als waffenfähig geprüft hat. Dann schmücken sie in dieser Versammlung entweder durch irgendeinen Fürsten oder der Vater oder ein naher Verwandter mit Schild und Frame den jungen Mann. Dies ist bei jenen die Toga, dies die erste Auszeichnung des jungen Mannes; zuvor scheinen sie ein Teil des Hauses zu sein, darauf ein Teil des Staates. Eine auffallende noble Herkunft oder große Verdienste der Vorfahren messen sie durch Fürsten die Wertschätzung auch jungen Männern bei; sie werden den übrigen Stärkeren und auch schon länger Erprobten angeschlossen, es ist keine Schande unter dem Gefolge angesehen zu werden. Ja, sie kennen sogar selbst eine Reihenfolge in deren Gefolge, welchem man Anhänger ist, und groß ist sowohl der Wetteifer der Gefolgsmänner, welcher den ersten Platz bei dem Fürsten hat, als auch unter den Fürsten, welcher die meisten und härtesten Gefolgsmänner hat. Dies ist Ansehen, dies Macht, immer mit einer großen und auserlesenen Schar junger Männer umgeben zu sein, im Frieden ist es Zierde, im Krieg ist es Schutz. Nicht allein bei seinem Stamm, sondern auch bei den benachbarten Stämmen ist dies Ruf, dies ist Glanz, wenn er durch die Anzahl und auch Tapferkeit der Gefolgsleute hervorsteht; sie werden nämlich ausgewählt von Gesandten und geschmückt mit Geschenken und die meisten selbst halten durch den Ruf Kriege ab.

14 Wenn es kommt zur Schlacht, ist es schimpflich für den Fürsten, sich an Tapferkeit besiegen zu lassen, es ist schimpflich für die Gefolgsmänner, es der Tapferkeit des Fürsten nicht gleich zu tun. Aller schimpflichste Schande für das ganze Leben ist es zu überleben seinen Fürsten und aus der Schlacht zurückzukommen; diesen zu verteidigen und zu schützen, auch seine eigenen Heldentaten dessen Herrlichkeit zuzuschreiben ist ein besonderer Kriegsdienst: die Fürsten kämpfen für den Sieg, die Gefolgsmänner für den Fürsten. Wenn der Stamm, in welchem sie geboren sind, durch eine lange Friedenszeit und Ruhe träge wird, suchen viele vornehme junge Männer selber die Stämme auf, welche gerade irgendeinen Krieg führen, weil sowohl Ruhe als auch Leichtigkeit dem Volk unangenehm ist und leichter werden sie zwischen Gefahren berühmt und eine große Gefolgschaft nur durch Gewalt und Krieg erhalten. Sie fordern nämlich von der Freigiebigkeit ihrer Anführer das Streitross, die blutige und Sieg bringende Frame; denn Festmähler und obwohl schlichte, trotzdem reicher Prunk, nehmen für den Sold den Vorrang ein. Die Anlage zur Freigiebigkeit ist durch Kriege und Räubereien vorhanden, man wird sie zu pflügen die Erde und noch abzuwarten ein Jahr nicht so leicht überreden, wie den Feind zu rufen und Wunden zu verdienen; ja, man scheint sogar träge und, vielmehr noch, feige, durch Schweiß zu erwerben, was man mit Blut beschaffen kann.

15 So oft sie nicht in den Krieg ziehen, verleben sie nicht viel mit der Jagd, mehr mit Ruhe, sich dem Schlafe hingeben und essen, gerade die Tapfersten und auch Kriegserfahrensten machen nichts, anvertraut sind Haus und sowohl Hof als auch die Sorge des Feldes den Frauen und Alten und Schwächsten aus der Familie. Sie selbst sind matt aus einem erstaunlichen Widerspruch der Natur, weil diese Menschen die Trägheit lieben und die Ruhe hassen. Sitte ist es bei den Stämmen, sich gegenseitig, von Mann zu Mann, den Fürsten entweder Viehherden oder Feldfrüchte zu überlassen, was als Ehrenbezeichnung angenommen wird, aber es ist auch eine Notwenigkeit. Sie freuen sich besonders über Geschenke benachbarter Stämme, welche nicht bloß von einem Einzelnen, sondern auch von der Gemeinde gesendet werden: ausgesuchte Pferde, prächtige Waffen, Brustschmuck und Halsringe; und auch Geld anzunehmen haben wir sie gelehrt.

Autor: manlius-severus