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Germania - 10-12

10 Vorzeichen und Orakelsprüche beachten sie peinlichst genau. Der Brauch des Losens ist einfach: einen Zweig von einem fruchtbarem Baum abgeschnitten, zerteilen sie in Stäbchen und unterscheiden diese mit besonderen Zeichen und werfen sie auf ein weißes Tuch, wie aus Zufall. Wenn man öffentlich befragt, dann die Priester des Stammes, wenn aber privat, betet der Vater der Familie selbst zu Diener der Götter, diese als Mitwisser. Und es gibt eine andere den Göttern und nimmt, zum Himmel hoch erhobenem Blick, dreimal Eines und deutet es nach den erhabenen, zuvor eingebrachten Zeichen. Wenn sie fern zu halten sind, gibt es keine diese Sache betreffende, an demselben Tag, Befragung mehr; wenn aber sie gut sind, prüft man durch Vorzeichen noch mehr die Zuverlässigkeit. Und dies freilich ist uns auch bekannt, der Vögel Stimmen und Flug zu befragen; eine Eigenart des Volkes ist es, auch der Pferde Vorzeichen und auch Warnungen zu prüfen. Durch die Gemeinschaft werden sie gehalten in eben diesen Wäldern und auch Hainen, Schimmel, die niemals mit sterblicher Arbeit in Berührung gekommen sind; wenn diese an den heiligen Wagen gespannt werden, begleiten sie die Priester und auch der König oder die Stammesfürsten und beachten das Wiehern und auch Schnauben. Nicht irgendeinem anderen Vorzeichen schenkt man größeres Vertrauen, nicht allein beim Volk, sondern auch bei den Vornehmsten und bei den Priestern; sich selbst nämlich glauben sie als Wahrnehmung der Vorzeichen, durch welche sie das Geschehen schwerwiegender Krieg erkunden. Aus dem Volk, mit welchem Krieg ist, lassen sie einen Gefangenen, welchen sie auf irgendeine Weise gefangen genommen haben, mit einem Erwählten aus dem eigenen Volk mit den heimischen Waffen kämpfen; der Sieg des einen oder des anderen wird als Vorzeichen angenommen.

11 Über geringere Angelegenheiten beratschlagen die Fürsten, über größere Angelegenheiten alle, trotzdem so, dass diese auch, welche in der Macht dem anwesenden Volk ist, bei den Führenden vorher beraten werden. Sie kommen zusammen, wenn nicht etwas zufällig und plötzlich eintritt, an bestimmten Tagen, nämlich entweder bei Neumond oder Vollmond; denn für zu erledigende Angelegenheiten glauben sie, dass dies der aller günstige Anfang sei. Nicht nach Tagen rechnen sie, wie wir, sondern nach Nächten. So bestimmen sie, so kommen sie überein: Sie meinen, die Nacht führt den Tag. Dies ist, wegen der Freiheit, ein Fehler, dass sie nicht gleichzeitig und nicht wie auf Befehl zusammenkommen, sondern dass sowohl ein weiterer als auch ein dritter Tag durch das zaudern der Versammelten verloren geht. Wie es der Menge gefällt, setzten sie sich bewaffnet zusammen. Stille wird durch die Priester, welchen dann auch das Recht zu Strafen ist, befohlen. Bald darauf hört man den König oder den Fürsten, je nach dem Lebensalter, der vornehmen Herkunft, des Kriegsruhms, und der Redekunst, die Fähigkeit der Überzeugung ist wichtiger als die Befehlsgewalt. Wenn ein Antrag missfällt, verwerfen sie ihn durch Murren, wenn er aber gefällt, schlagen sie die Framen zusammen: die ehrenvollste Art der Zustimmung ist mit den Waffen zu loben.

12 Es steht frei, bei der Versammlung anzuklagen und dadurch ein Verfahren auf Leben und Tod anzustreben. Der Unterschied der Strafen richtet sich aus dem Verbrechen: Verräter und Überläufer hängt man auf Bäumen auf, Feiglinge, Kriegsscheue und die den Körper aufs Tiefste entehrt haben, werden in Sümpfe geworfen und mit Reisigbündel bedeckt. Die Verschiedenartigkeit der Todesstrafen sorgen dafür, dass man gleichsam Verbrechen zeigen soll, während man sie strafen tut, Schandtaten verbergen muss. Aber auch für leichte Verbrechen ist die Strafe nach Maß: Mit einer Anzahl an Pferden und an Vieh wird der Überführte bestraft. Ein Teil der Strafe ist an den König oder an die Gemeinschaft, ein Teil ist an diesen selbst, welchen er geschadet hat, oder nahe Verwandten von diesem abzugeben. Sie wählen bei dieser Versammlung auch die Fürsten, welche Recht in den Gauen und Dörfern sprechen; jedem einzelnen sind einhundert aus dem Volk als Gefährten der Versammlung und zugleich für die Autorität anwesend.

Autor: manlius-severus