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Germania - 07-09

7 Könige wählen sie aus dem Adelsstand, Anführer durch Tapferkeit. Andererseits ist den Königen keine grenzenlose, willkürliche Allmacht, und die Anführer stehen vielmehr durch Vorbildfunktion als an Befehlsgewalt, falls entschlossen, falls auffallend, falls sie vor die Schlachtreihe ziehen, durch Bewunderung an der Spitze. Sonst ist weder zu strafen noch zu fesseln, nicht einmal zu schlagen außer durch Priester erlaubt, nicht gewissermaßen als Strafe noch auf Befehl des Führers, sondern wie der Gott es befiehlt, welcher beisteht im Kampf, wie sie glauben. Bilder und Zeichen tragen sie daher von den hellen Hainen mit in den Kampf. Deshalb ist der Vorzug der Tapferkeit Ansporn, nicht der Zufall noch eine zufällige Zusammenrottung der Reiterschar oder Heerschar macht es, sondern die Familie und die Verwandtschaft. Und in der Nähe sind die Verwandte, von dort können sie das Geschrei der Frauen hören, von dort das Wimmern der Kinder. Dies sind für jeden die heiligsten Zeugen, dies die größten Lobredner: zu den Müttern, zu den Ehefrauen tragen sie die Wunden; und jene sträuben sich nicht zu zählen und zu untersuchen die Wunden und sie tragen Speisen und ermunternde Worte des Kampfes herbei.

8 Es wird überliefert, dass Schlachtreihen, die schwankten und schon zusammenbrachen von den Frauen wieder zur Standhaftigkeit zurückgebracht wurden sowohl durch Bitten, als auch durch entblößen der Brüste und durch Hinweisen der nahe stehenden Gefangenschaft, welche sie mehr als unerträglich fürchten, wenn es ihre Frauen trifft, sogar so, dass sich Stämme emotional mehr gebunden fühlen, welchen man als Geiseln vornehme Mädchen zu stellen befiehlt. Ja, sie glauben sogar, es sei irgendetwas Heiliges und Vorherseherisches, und weder verwerfen sie deren Beschlüsse noch verneinen sie die Bescheide. Wir haben gesehen unter dem göttlichen Vespasian, dass Veleda lange bei Vielen gerühmt wurde; aber einst sind auch Albruna und mehrere andere verehrt worden, nicht aus Schmeichelei, noch als ob sie Göttinnen machen wollen.

9 Von den Göttern verehren sie am größten Mercur, welchem an gewissen Tagen Menschen als Opfer zu weihen ist, halten sie für Pflicht. Hercules und Mars besänftigen sie mit erlaubten Tieren. Ein Teil der Sueben opfert auch der Isis; was der Grund und der Ursprung der fremdländischen Feier ist, habe ich zu wenig erfahren, außer, dass ihr Zeichen, das in Art einer Liburna geformt ist, als Religion aus dem Ausland ist. Im übrigen erachten sie, nicht in Wände Götter einzuschließen noch jenen menschenähnliche Gestalt gleichzumachen auf Grund der Größe der Himmlischen: Haine weihen sie den Göttern und durch Namen rufen sie jenes geheime Wesen an, was sie alleinig in Ehrfurcht ansehen.

Autor: manlius-severus