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Germania - 04-06

4 Ich selbst schließe mich diesen Meinungen an, die meinen, die germanischen Völker seien in keiner Weise mit anderen fremden Völkern durch Heiraten beeinflusst, mit schlechten Eigenschaften versehen, seien rein und ein so großer, sich selbst ähnlicher Volksstamm geworden. Daher sind diesen eine Einheit der Gestallt des Körpers, so weit es bei einer so großen Zahl an Menschen sein kann: wilde und bläuliche Augen, blondes Haupthaar, große Körper und bloß zu einem kräftigen, schnellen Angriff fähig; in der Arbeit und auch der Mühe haben sie nicht die gleiche Ausdauer, und am geringsten wird Durst und Hitze erduldet, Kälte und auch Hunger sind sie durch ihre Landschaft gewöhnt.

5 Das Land, und wenn es manchmal im Aussehen unterschiedlich ist, ist im Ganzen aber entweder durch die Wälder erschreckend, oder durch die Sümpfe grässlich, feuchter, da wo es nach Gallien hin, windiger, da wo es nach Noricum und Pannonien hinsieht; es ist ziemlich fruchtbar, es ist aber unfähig fruchtbare Bäume zu ertragen, reich an Vieh, aber die meisten sind von niedrigem Wuchs. Freilich nicht einmal das Großvieh besitzt Schönheit oder Stirnschmuck; sie freuen sich über die Anzahl, und diese sind die einzigen und dankbarsten Reichtümer. Ich zweifle, ob Silber und Gold aus Gunst oder aus Zorn die Götter vorenthalten haben. Trotzdem behaupte ich nicht, dass keine Ader Germaniens Silber und Gold hervorbringt; wer nämlich hat gesucht? Durch Besitz und Verwendung werden sie nicht besonders belohnt. Man kann bei jenen sehen silberne Gefäße, für deren Gesandten und Fürsten als Geschenke gegeben, mit der gleichen Geringschätzung, als welche, die von Erde gemacht wurden. Jedoch haben die uns am nächsten, zum Zweck des Handelns, Gold und Silber, und einige erkennen unser Geld und wählen es sogar heraus. Die Inneren tauschen auf einfache und alte Weise Waren ein. Als Geld billigen sie das Alte und lange Bekannte, Serraten und Bigaten; und nach Silber streben sie mehr nach als nach Gold, nicht, dass es den Geist berührt, sondern weil der Wert der Silberlinge leichter zu Gebrauchen ist für gewöhnliche und auch billige Waren.

6 Nicht einmal Eisen gibt es ausreichend, wie man aus Art der Waffen folgern kann. Selten gebrauchen sie Schwerter oder größere Lanzen; Speere, oder in ihrem Wortschatz Framen, tragen sie mit einem schmalen und kurzem Eisen, aber so scharf und im Gebrauch so handlich, dass sie mit eben dieser Waffe, je nachdem die Vernunft es verlangt, entweder von Nahem oder von Weitem kämpfen. Und sogar die Reiterei ist zufrieden mit Schild und Framen, und das Fußvolk schleudert Wurfspeere, und zwar mehrere von jedem Einzelnen, und sie schleudern noch dazu ungeheuer weit, sie sind nackt oder haben einen leichten, kurzen Umhang. Kein prahlender Schmuck; die Schilde schmücken sie mit sehr ausgezeichneten Farben aus. Wenige haben eine Rüstung, kaum einer ist mit Helmen bedeckt. Die Pferde fallen nicht durch Schönheit, nicht durch Schnelligkeit auf; jedoch werden ihnen nicht verschiedene Wendungen, wie in unsrer Sitte, gelehrt: sie werden in gerader Richtung oder in einer Biegung nach rechts gelenkt, die Kreisbahn ist so geschlossen, dass niemand zurückbleibt. Als Ganzen betrachtet, ist ihre Stärke mehr beim Fußvolk; deshalb kämpfen sie gemischt, passend und übereinstimmend zur Schnelligkeit der Reiterei kämpfen die Fußtruppen, welche aus der gesamten Jugend ausgewählt und vor die Front hingestellt werden. Die Anzahl ist festgesetzt: es sind hundert aus jedem einzelnen Dorf, und diese werden selbst unter ihnen so genannt, und was zuerst eine Nummer gewesen ist, ist schon Namen und Ehre. Die Schlachtordnung wird durch Keile gebildet. Seinen Posten zu verlassen, sofern man wieder hart zusetzt, erachten sie mehr als Kriegslist als Furcht. Die Leichen der ihren, auch in zweifelhaften Gefecht, bringen sie zurück. Den Schild zurückzulassen ist eine besondere Schandtat, und weder ist einer bei religiösen Zeremonien anwesend noch an Versammlungen angetreten der schimpflich entehrt ist, und viele, die so den Krieg überstanden, beendeten die Schande mit dem Strick.

Autor: manlius-severus