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Annales - 02, 09f

[9] Der Fluss Weser floss zwischen den Römern und den Cheruskern. An dessen Ufer trat Arminius mit den übrigen vordersten heran und mit der Frage, ob der Caesar gekommen sei, nachdem geantwortet wurde, dass er da sei, bat er darum, dass er sich mit seinem Bruder besprechen dürfe. Jener war im Heer mit dem Beinamen Flavus, auffallend durch seine Treue und durch sein infolge von Wunden vor wenigen Jahren unter der Führung des Tiberius verlorenes Auge. Dann wurde er nach der Erlaubnis und nach dem Hervortreten von Arminius begrüßt; (…) woher diese Verunstaltung des Gesichts komme, fragt er den Bruder. Als jener sich auf Ort und Zeit bezieht, fragt er, was er denn als Belohnung bekommen habe. Flavus zählt die erhöhten Soldzahlungen, die Halskette, die Krone und andere militärische Gaben auf, während Arminius über die für einen Sklavendienst geringen Preise lacht.

[10] Von da an zählen sie verschiedene Dinge auf, dieser die römische Größe, die Macht des Caesars und die schweren Strafen für Besiegte, dem, der sich ausliefert, bereitwillige Milde; und, dass dessen Frau und Sohn nicht für feindlich gehalten werden: jener nennt das Schicksal des Vaterlandes, die ererbte Freiheit, die Götter des inneren Germaniens, die gemeinsame Mutter der Gebete; ob er denn nicht lieber Deserteur und Verräter der Verwandten und Nachbarn und seines Stammes sein wolle als der Imperator. Nach und nach waren sie von da an so sehr in einen Streit gerutscht, dass sie zu kämpfen begonnen hätten, was nicht einmal durch den dazwischenliegenden Fluss hätte verhindert werden können, wenn nicht Stertinius herbei laufend den zornerfüllten Flavus zurückgehalten hätte, der alle Waffen und das Pferd verlangte. Es wurde gesehen, dass Arminius gegen ihn drohte und die Schlacht ankündigte; denn die meisten Dinge warf er auf lateinisch ein, weil er im römischen Lager als Führer der Völker gedient hatte.

Autor: Nina Rink