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Annales - 01, 57

Und nicht viel später kamen Gesandte von Segestes, um gegenüber der Kraft der Landsleute um Hilfe zu bitten, von welchen er belagert wurde, weil bei diesen Arminius stärker war, weil er ja den Rat zum Krieg gegeben hat: denn je mehr einer durch Kühnheit zum Handeln bereit ist, desto mehr wird er bei den Barbaren für vertrauenswürdig und in bewegten Zeiten für fähiger gehalten. Segestes hatte den Gesandten seinen Sohn namens Segimundus zur Seite gestellt: aber der Junge zögerte wegen seinem schlechten Gewissen. Denn in dem Jahr, in dem die Germanien abtrünnig geworden waren, hatte er als gewählter Priester in der ara Urbiorum die Kopfbinden zerrissen, als Flüchtling war er zu den Rebellen übergelaufen. Dennoch zu Hoffnung auf römische Milde veranlasst, überbrachte er die Aufträge des Vaters und nachdem er in gnädiger Weise aufgenommen wurde, wurde er unter Bewachung ans gallische Ufer geschickt. Dem Germanicus war es die Mühe wert, den Heereszug umzukehren: und nach dem Kampf gegen die Belagerer wurde Segestes zusammen mit einer großen Schar von Verwandten und Klienten herausgerissen. Unter diesen waren vornehme Frauen, darunter auch die Frau des Arminius, Tochter des Segestes, mit ihrem Herzen mehr beim Ehemann als bei ihrem Vater, und sie war weder in Tränen aufgelöst noch mit einer demütigen Stimme, sie hielt die Hände unter der Brust auf den schwangeren Bauch gepresst. Auch Beutewaffen aus der Varusniederlage waren den meisten derer, die sich hier unterworfen hatten, als Beute gegeben; zugleich war Segestes selbst gewaltig von seinem Anblick her und unerschrocken wegen der Erinnerung an die gute Gesellschaft.

Autor: Nina Rink