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Epistulae Morales Ad Lucilium - 038


Seneca grüßt seinen Lucilius

Du forderst zu Recht ein, dass wir diesen brieflichen Kontakt intensiver werden lassen. Das Gespräch nützt viel, weil es in kleinen Schritten ins Herz hineinkriecht. Die vorbereiteten und ausgedehnten Reden haben, wenn die vom Volk gehört werden, mehr Getöse aber weniger Vertraulichkeit. Die Philosophie gibt einen guten Rat: Niemand gibt einen Rat klar. Zuweilen muss man jene Volksreden, wie ich sie nenne, gebrauchen, wo jemand angestoßen werden muss, wenn er zweifelt. Sobald aber das betrieben werden muss, dass jemand nicht lernen will, sondern lernen soll, muss es dazu mit leisen Worten kommen. Sie dringen leichter ein und bleiben hängen.Man benötigt nämlich nicht viele, sondern wirksame. Sie müssen auf die Art von Samen ausgeworfen werden, weil er, wenn er auch gering ist, seine Kräfte entfaltet und sich aus dem kleinsten Aufwand ins größte Wachstum ausbreitet, wenn er einen geeigneten Platz besetzt. Das nämlich macht der Verstand: Wenn du ihn erblickst, breitet er sich nicht weit aus, er wächst am Werk. Zugleich ist, sage ich, das Los vorweggenommen, wie ausgesät. Sie (die Worte) bewirken vieles und sind klein. Wie ich sage, reißt der so große und geeignete Geist jene an sich und zieht sie in sich hinein; Zum Ausgleich wird er selbst vieles hervorbringen und mehr zurückgeben als annehmen.

Sei gegrüßt!

Autor: Bluemelinchen