Latein24.de

Epistulae Morales Ad Lucilium - 024, 22-26

Epikur tadelt nicht weniger diese, die den Tod heftig begehren, als die, diese, die (ihn) fürchten, und er sagt: „Es ist lächerlich durch den Ekel des Lebens zum Tod zu rennen, weil du mit der Art der Lebensführung beendet hast, dass zum Tod gerannt werden muss.“

23.) Ebenso sagt er an einer anderen Stelle: „Was ist so lächerlich wie den Tod anzustreben, weil du dir das Leben durch Furch vor dem Tod unruhig gemacht hast?“ Du mögest diesen Dingen hinzufügen und jenes derselben Art ist erlaubt, dass es die so große Unklugheit der Menschen ist, vielmehr die Verrücktheit, dass sie durch die Furcht vor dem Tod allerdings zum Tod gezwungen werden.

24.) Was auch immer der Stunden du umhergeschleppt haben wirst, du wirst den Geist kräftigen entweder zum Ertragen des Todes oder zur Geduld des Lebens; denn in jedes der beiden (genannten) Dinge hinein müssen wir gemahnt und bekräftigt werden, und wir lieben nicht allzu sehr das Leben und wir hassen es nicht allzu sehr. Sogar wenn die Vernunft sich zu beenden zuspricht, darf nicht aufs Geradewohl und nicht mit Anlauf/ im Ansturm ein rascher Entschluss gefasst werden.

25.) Der tapfere und weise Mann darf nicht aus dem Leben fliehen, aber heraustreten; und vor allen Dingen möge auch jene Leidenschaft gelebt werden, die viele in Besitz genommen hat, die Lust zu sterben. Denn wie es zu diesen Dingen ist, mein Lucilius, so ist auch die unüberlegte Zuneigung des Geistes zum Sterben, die oft edelmütige Männer und Männer von schärfster/ spitzester Naturanlage ergreift, oft Kraftlose und Niedergeschlagene: Jene verachten das Leben, diese werden belastet.

26.) Der Überdruss, dieselben Dinge zu machen und zu sehen, befällt manche und nicht Hass auf das Leben, aber Ekel, in welchen wir hinabstürzen, währen die Philosophie selbst anstößt, während wir sagen: „Wie lange dieselben Dinge? Freilich werde ich aufwachen und schlafen gehen, ich werde essen, ich werde hungrig sein, ich werde unter Kälte leiden, ich werde unter Hitze leiden. Keiner Sache ist ein Ende, aber alle Dinge sind zu einem Kreis verknüpft, sie fliehen und sie folgen; die Nacht drückt den Tag, der Tag die Nacht, der Sommer lässt in den Herbst hinein nach, dem Herbst ist der Winter in der Nähe, der vom Frühling in Schranken gehalten wird; auf diese Weise gehen alle Dinge hinüber, damit sie zurückkehren. Ich mache nichts des Neuen, nichts des Neuen sehe ich: Einst geschieht auch die Übelkeit dieser Sache.“ Es gibt Viele, die nicht beurteilen bitter zu leben, aber unnütz. Leb wohl.

Autor: Mike