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Epistulae Morales Ad Lucilium - 016

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5) Was auch immer von diesen Dingen/ Angelegenheiten ist, Lucilius, oder wenn alles so ist, es muss philosohpiert werden; sei es, dassc uns die Göttersprüche durch das unerbittliche Gesetz zusammenschnüren, sei es, dass Gott als Lenker alle Dinge des Universums geordnet hat, sei es, dss der Zufall die menschlichen Angelegenheiten ohne Ordnung bewegt und durcheinanderbringt, die Philosophie muss uns beschützen. Diese wird ermahnen, dass wir einem Gott gerne gehorchen sollen, dem Schicksal/ dem Glück (jedoch) trotzig; diese wird lehren, dass du einem Gott folgen sollst, dass du den Zufall tragen (besser: ertragen, dulden) sollst.

6) Aber es darf nun nicht in diese öffentliche Streitfrage/ in diese Diskussion hinübergegangen werden, was in unserer Macht stehe, wenn die Vorsehung im Befehl ist, oder wenn eine Reihe der Göttersprüche die Angebundenen zieht, oder wenn die unerwarteten und plötzlichen Dinge Herr sind: Ich wende mich nun jenem zurück, dass ich dich mahne und ermutige, dass du nicht den Aufschwung deines Geistes nachzulassen und zu erkalten duldest. Halte jenen zusammen und kräftige jenen, dass es zu einer bleibenden Haltung des Geistes gemacht werde, was der Aufschwung ist.

7) Du wirst dich schon seit dem Anfang umschauen, wenn ich dich gut kenne, was dieser Brief als kleines Geschenk herbeigebracht haben möge: untersuche jenen genau, und du wirst es )gemeint das kleine Geschenk) finden. Es gibt keinen Grund dafür, dass du meinen Geist bewunderst: noch immer bin ich vom Fremden freigebig. Weshalb aber habe ich "fremd" gesagt? Was auch immer gut von jenem gesagt worden ist, ist das Meinige/ ist mein Gesagtes. Auch dies ist von Epicurus gesagt worden: "wenn du bei der Natur leben wirst (gemeint ist in Übereinstimmung mit ihr), wirst du niemals arm sein; wenn du bei den bloßen Wunschvorstellungen leben wirst, wirst du niemals reich sein."

Das Kleine sehnt/ begehrt die Natur, die bloße Wunschvorstellung das unermessliche. Es soll in dir zusammengetragen werden, was auch immer die vielen Begüterten/ Reichen besitzen; jenseits der eigenen Art/ des eigenen Maßes des Geldes möge dich das Schicksal verleiten, möge es dich mit Gold bedecken, möge es dich im Purpurgewand kleiden, bis zu dem Punkt der Genüsse und Reichtümer möge es dich führend, dass du die Erde mit Mamorplatten verbergen mögest; dir soll es nicht nur erlaubt sein es zu haben, sondern auch den Reichtum mit Füßen zu betreten; dazukommen sollen Statuen und Gemälde und was auch immer irgendeine Kunst dem Luxus geschafft hat: Du wirst lernen größere Dinge von diesen zu begehren.

9) Die natürlichen Sehnsüchte sind nicht beendet worden: aus der falschen Wunschvorstellung wissen die entstehenden Sehnsüchte nicht, wo sie aufhören; denn dem Falschen ist keine Grenze. Der Weg ist dem Gehenden irgendein Ziel: Der Irrtum ist unermesslich. Ziehe dich daher von den nichtigen Dingen/ Angelegeheiten zurück, und wenn du wissen wollen wirst, was du erstreben wirst, ob er die natürliche oder die blinde Begierde haben möge, bedenke, ob er sich irgenwo hinstellen kann: wenn dem lange Fortschritt gemacht Habenden immer irgendetwas längeres übrig bleibt, sollst du wissen, dass dies nicht natürlich ist. Leb wohl.

Autor: mike
Verbessert von: Melissa Urban