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Oedipus - 814-867

Oedipus: Ich will wissen wer jener war, der meinen Körper in Form eines Geschenkes übergab.

Der alte Korinther: Er weidete die königliche Herde., unter ihm stand eine kleinere Zahl von Hirten.

Oedipus: Sag den Namen!

Der alte Korinther: Erste Erinnerung alter Menschen erschlafft müde dahinschwindend durch langes Ruhen.

Oedipus: Kannst du den Mann am Gesicht, am Antlitz erkennen?

Der alte Korinther: Vielleicht kann ich das: Oft schon ruft ein kleines Zeichen die durch den Zeitraum verschüttete und vergessene Erinnerung hervor.

Oedipus: Zu den Heiligtümern und Altären treiben die Hirten die ganze Herde: Geht, schnell, hol den her, Diener, der die größte Verantwortung über die Herde innehat.

Iocaste: Mag Berechnung oder Schicksal diese Dinge verhüllen, immer verborgen lass sein, was lange verborgen war:
Oft offenbarte sich die Wahrheit dirch ein Übel für den, der fragte.

Oedipus: Kann ein größeres Unheil gefürchtet werden als diese Dinge?

Iocaste: Wisse, dass es groß ist, was mit viel Mühe erstrebt wird.
Von dort läuft allgemeiens Wohl, von hier Wohl des Königs zusammen, beide gleicher Weise, behalte deine Hände in der Mitte: Fordere nichts heraus, das
Schicksal soll sich selbst entwickeln.

Oedipus: Nicht förderlich ist es, den Glückszustand aufzurütten.
Was auch immer bewegt wird, es befindet sich an einem sicheren, weiten Ort.
Willst du noch edeleres als königlicher Herkunft?

Iocaste: Sieh zu, dass es dich nicht reut, deinen Vater gefunden zu haben.

Oedipus: Ich suche Gewissheit, sei es auch die eine schmählichen Blutes, so ist wissen sicher.
Siehe den alten Greis, unter welchem die Verantwortung der königlichen Herde gestanden hatte, Phorbas. Erkennst du den Namen oder das Gesicht des Alten?

Der alte Korinther: Die Gestalt spricht meinem Herzen zu. Und doch ist er mir nicht bekannt, und doch wiederum ist mir dieses Antlitz unbekannt.

Hast du, als Laios die Herrschaft innehatte, die wohlgenährten Herden in der Gegend des Kithaeron getrieben.

Phorbas: Freudig ibt Kithaeron immer von Neuem saftige Wiesen unserer Herde.

Der alte Korinther: Erkennst du denn mich?

Phorbas: Es zweifelt unsicher meine Gedächtnis.

Der alte Korinther: Ist diesem Mann irgendein, von dir ein gewisser Knabe mal gegeben worden?

Phorbas: Du rührst vom langen Lauf der Zeit Verborgenes auf.

Oedipus: Sprich, damit der Schmerz dich nicht zur Wahrheit bringt.

Phorbas: Jenem habe ich als nutzloses Geschenk ein Baby gegeben:
Es konnte weder Licht noch Himmel genießen.

Der alte Korinther: Dieses Voreichen sei weit weg; Er lebt und möge leben, bitte.

Oedipus: Warum verneinst, dass das übergebene Kind nicht überlebt habe.

Phorbas: Ein dünnes Eisenstück durch beide Füße gebohrt band ihm seine Beine zusammen, eine innerhalb der Wunde entstandene Schwellung brannte dem jungen
Körper mit schrecklichem Eiter.

Oedipus: Was fragst du noch weiteres? Schon nähert sich das Schicksal heran. Sag, wer war der Junge?

Phorbas: Die Treue verbietet es.

Oedipus: Bringe einer Feuer her! Die Flamm wird die Treue schon ausbrennen.

Phorbas: Über so grausame Wege wird die Wahrheit gesucht?
Ich bitte um Vergebung.


Oedipus: So wild und unbändig erscheine ich dir, die Strafe liegt bereit in der Hand: Sag schon, wer war es? Und von welchem Vater ist er geboren? Durch welche Mutter?

Phorbas: Geboren ist er durch deine Gattin.

Autor: jauchi