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De Vita Beata - 08

Lateinisches Original:
Quid quod tam bonis quam malis uoluptas inest nec minus turpes dedecus suum quam honestos egregia delectant? Ideoque praeceperunt ueteres optimam sequi uitam, non iucundissimam, ut rectae ac bonae uoluntatis non dux sed comes sit uoluptas. Natura enim duce utendum est; hanc ratio obseruat, hanc consulit. 2. Idem est ergo beate uiuere et secundum naturam. Hoc quid sit iam aperiam: si corporis dotes et apta naturae conseruarimus diligenter et inpauide tamquam in diem data et fugacia, si non subierimus eorum seruitutem nec nos aliena possederint, si corpori grata et aduenticia eo nobis loco fuerint quo sunt in castris auxilia et armaturae leues — seruiant ista, non imperent — ita demum utilia sunt menti. 3. Incorruptus uir sit externis et insuperabilis miratorque tantum sui, fidens animo atque in utrumque paratus, artifex uitae; fiducia eius non sine scientia sit, scientia non sine constantia; maneant illi semel placita nec ulla in decretis eius litura sit. Intellegitur, etiam si non adiecero, compositum ordinatumque fore talem uirum et in iis quae aget cum comitate magnificum. ~erat uera. 4. Ratio uera~ sensibus inritata et capiens inde principia — nec enim habet aliud unde conetur aut unde ad uerum impetum capiat — in se reuertatur. Nam mundus quoque cuncta complectens rectorque uniuersi deus in exteriora quidem tendit, sed tamen introsum undique in se redit. Idem nostra mens faciat: cum secuta sensus suos per illos se ad externa porrexerit, et illorum et sui potens sit. 5. Hoc modo una efficietur uis ac potestas concors sibi et ratio illa certa nascetur, non dissidens nec haesitans in opinionibus comprensionibusque nec in persuasione, quae cum se disposuit et partibus suis consensit et, ut ita dicam, concinuit, summum bonum tetigit. 6. Nihil enim praui, nihil lubrici superest, nihil in quo arietet aut labet; omnia faciet ex imperio suo nihilque inopinatum accidet, sed quidquid agetur in bonum exibit facile et parate et sine tergiuersatione agentis; nam pigritia et haesitatio pugnam et inconstantiam ostendit. Quare audaciter licet profitearis summum bonum esse animi concordiam; uirtutes enim ibi esse debebunt ubi consensus atque unitas erit: dissident uitia.


Übersetzung:
Was soll man sagen, dass sowohl guten Dingen als auch schlechten Lust
innewohnt und die Unehre die Schändlichen nicht weniger erfreut als
die Tugenden die Ehrenvollen? Und darum haben die Alten verordnet, dem
besten Leben zu folgen, nicht dem anziehendsten, damit die Lust nicht
Führerin, sondern Begleiterin für den richtigen und guten Willen sei.
Denn man muss sich der Natur als Anführerin bedienen; auf diese achtet
die Vernunft, diese zieht sie zu Rate.

Also ist es dasselbe, glücklich und in Übereinstimmung mit der Natur
zu leben. Was das heißt, werde ich sogleich darlegen: Wenn wir die
Begabungen des Körpers und Ausrüstungen der Natur sorgfältig und
unerschrocken bewahren, gleichwie sie für einen Tag gegeben und
vergänglich sind, wenn wir nicht unter ihre Knechtschaft kommen und
uns nicht andere Dinge in Besitz haben, wenn die für den Körper
anmutigen und äußeren Dinge für uns an dem Platz sind, an dem im Krieg
Hilfsvölker und Leichtbewaffnete sind - diese sollen dienen, nicht
befehlen - so sind sie erst dann nützlich für den Geist.

Unverfälscht durch äußere Dinge sei ein Mann und unüberwindlich und
ein Bewunderer nur von sich, der Seele vertrauend und auf beides
vorbereitet, Selbstgestalter des Lebens; sein Selbstvertrauen sei
nicht ohne Wissen, das Wissen nicht ohne Beständigkeit; für jenen

bleibe einmal Verordnetes und es gebe bei Entscheidungen nicht
irgendeine Änderung. Man erkennt, auch wenn ich es nicht hinzufüge,
dass ein so beschaffener Mann wohlgeordnet und ordentlich sein wird
und in den Dingen, die er betreibt, mit Fröhlichkeit dabei und
großzügig.

Die echte Vernunft soll, angetrieben durch die Sinne und von da aus
die Anfänge ergreifend - denn sie hat nichts anderes, wovon sie
ausgehen könnte oder woher sie einen Ansturm auf die Wahrheit
unternehmen könnte - in sich zurückkehren. Denn auch die Welt, die
alles insgesamt umfasst, und der Beherrscher des Universums, Gott,
streckt sich zwar zu den äußeren Dingen hin, aber dennoch kommt er von
überall her nach innen zu sich zurück. Dasselbe soll unser Geist tun:
Nachdem er sich zu äußeren Dingen seinen Sinnen folgend durch diese
ausgedehnt hat, soll er jener Dinge und seiner selbst mächtig sein.

Auf diese Weise wird eine Kraft und eine mit sich selbst harmonierende
Macht erzeugt werden und jene sichere Vernunft wird entspringen, die
nicht in Disharmonie ist, die weder in Meinungen und Sätzen schwankt,
noch in der Überlegung, die, wenn sie sich eingerichtet hat und mit
ihren Teilen übereingekommen ist und, so möchte ich sagen,
übereingestimmt hat, das höchste Gut berührt hat.

Denn nichts Unschickliches, nichts Gefährliches ist übrig, nichts, an
das sie anstößt oder anschwankt; alle Dinge wird sie aus eigener
Verordnung machen und nichts Überraschendes wird sich zutragen, aber
was auch immer geschehen wird, wird im Guten ausgehen, leicht,
entschlossen und ohne Weigerung des Ausführenden; denn Faulheit und
Unentschlossenheit zeigen auf Streit und Unbeständigkeit hin. Daher
steht es frei, dass du kühn verheißt, dass das höchste Gut die
Eintracht der Seele ist; die Tugenden werden nämlich da sein müssen,
wo Übereinstimmung und Einigkeit sein wird: Unvollkommenheiten stimmen
nicht überein.

Autor: Julius48