Latein24.de

De Vita Beata - 05

Weil ich ja schon angefangen habe ausführlich darüber zu sprechen [so mache ich jetzt weiter]; es kann jemand als glücklich bezeichnet werden, der infolge seines Verstandes weder etwas wünscht noch fürchtet; da ja auch die Felsen von Furcht und Traurigkeit frei sind, und nicht weniger die Tiere, wird dennoch niemand diese deshalb als glücklich bezeichnen, da ihnen die Erkenntnis zur Glückseligkeit fehlt. Stelle an dieselbe Stelle die Menschen, welche durch ihr stumpfsinniges Wesen und ihre Selbstüberschätzung in den Kreis der Viecher und Tiere eingereiht werden. Es gibt keinen Unterschied zwischen diesen und jenen, weil jene gar keine Vernunft haben und diese nur eine, die verkehrt und zu ihrem eigenen Schaden und in umgekehrter Weise geschickt ist; es kann nämlich niemand als glücklich bezeichnet werden, der von der Wahrheit verbannt worden ist. Ein glückliches Leben ist also auf einem richtigen und zuverlässigen Urteil fest aufgebaut und unveränderlich. Denn der Geist ist dann rein und frei von allen Übeln, wenn er nicht nur den Beleidigungen, sondern auch den Sticheleien entkommen ist; er wird für immer dort stehen, wo er einmal festen Fuß gefasst hat, und seinen Platz auch gegen ein zorniges und gefährliches Schicksal behaupten. Denn was das Vergnügen betrifft, obwohl es sich von allen Seiten her um uns drängt und durch jede Möglichkeit eindringt und den Geist mit seinen Schmeicheleien beschwichtigt und eine nach der anderen davon anwendet, um uns dadurch ganz oder teilweise zu verführen, wer von den Sterblichen, in dem irgendeine Spur des Menschen übrig ist, wollte wohl Tag und Nacht gekitzelt werden und sich mit einem einsamen Geist um seinen Körper bemühen?

Autor: gandalf