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De Vita Beata - 03

Lasst uns etwas suchen, das nicht äußerlich eine gute Erscheinung macht, sondern dauerhaft und gleichförmig ist und dessen Schönheit im Verborgenen liegt; lasst uns das ausfindig machen. Es liegt auch nicht weit weg: man wird es finden, du musst nur wissen, wohin du deine Hand ausstrecken sollst; nun gehen wir, als ob es dunkel wäre, an den nahe liegenden Dingen vorüber, wodurch wir gerade auf das stoßen, wonach wir uns sehnen.

Aber damit ich dich nicht auf Umwegen herumschleppe, übergehe ich die Ansichten anderer – denn es wäre zu langwierig einerseits jene aufzuzählen andererseits sie zu widerlegen: Nimm unsere an. Aber immer wenn ich "unsere" sage, binde ich mich nicht an irgendeinen Einzelnen der stoischen Philosophen fest: auch ich habe das Recht eine Ansicht zu haben. Deshalb werde ich dem einen zustimmen, dem anderen werde ich sagen, dass er seine Meinung abtrennen soll; vielleicht werde ich auch – nach allen anderen aufgerufen – nichts von dem tadeln, was meine Vorgänger geurteilt haben; und ich werde sagen „weiterhin schätze ich das folgende.“ Ich stimme der Natur zu, worin man sich inzwischen unter allen Stoikern einig ist; von ihr nicht abzuirren und sich nach dem Gesetz und dem Vorbild jener zu gestalten, das ist Weisheit.

Ein Leben ist also glücklich, wenn es zu seiner Natur passt; diese wird uns nur zuteil, wenn zu allererst der Geist gesund und im ewigen Besitz seiner Gesundheit ist, zweitens wenn er mutig und entschlossen ist, drittens wenn er sehr glücklich, geduldig und den zeitlichen Umständen angepasst ist, viertens wenn er auf seinem Körper und allem, was dazu gehört, ohne Angst bedacht ist und fünftens wenn er umsichtig gegenüber anderen Dingen ist, die lebensnotwendig sind, ohne irgendetwas davon zu bewundern; er soll die Geschenke des Schicksals verwenden, nicht ihnen dienen. Auch wenn ich es nicht hinzufügen würde, verstehst du, dass ewige Ruhe und Freiheit folgt, indem du dich davon fernhältst, was uns entweder erzürnt oder in Schrecken versetzt; denn anstelle der Vergnügungen und all jenem, was unbedeutend und zerbrechlich ist und gerade durch die Niederträchtigekeit schädlich ist, tritt erst eine gewaltige, unerschütterliche und gleichbleibende Freude, und dann der Frieden und der Einklang der Seele und menschliche Größe vereint mit Milde; denn jede Rohheit entsteht durch Schwäche.

Autor: gandalf