De Clementia - 01, 01-05

Ich beabsichtige, Caesar Nero, über die Güte zu schreiben, damit ich die Rolle des Spiegels auf eine gewisse Weise einnehmen würde, um dir zu zeigen, dass du zum größten aller Vergnügen gelangen wirst. Obwohl gewiss gehandelt zu haben der wahre Ertrag richtigen Handelns ist und es sei jenem kein würdigerer Preis der Tugend außer ihrer selbst, erfreut es, das gute Gewissen zu betrachten und zu inspizieren, dann die Augen auf diese unermessliche Menge zu werfen, die uneins, aufrührerisch und schwach ist und bereit, zum fremden und in gleicher Weise eigenen Untergang aufzuspringen, wenn sie dieses Joch gebrochen haben wird und es erfreut, so mit sich zu sprechen:
Gefiel ich nicht und bin ich nicht von allen Sterblichen auserwählt worden, derjenige zu sein, der auf Erden die Rolle der Götter übernähme? Ich bin für die Völker Richter über Leben und Tod, welches Los und welche Stellung jeder haben solle, in meine Hand wurde es gelegt, was das Schicksal jedem einzelnen der Sterblichen gegeben haben möchte, es spricht es durch meinen Mund aus, aus unserer Antwort erhalten Völker und Städte Ursachen zur Freude, kein Teil irgendwo steht in Blüte, außer durch die Güte und Gerechtigkeit von mir; diese so viele tausend Schwerter, die mein Friede hemmt, werden durch meinen Befehl gezogen werden, welche Stämme von Grund auf zerstört werden, welche umgesiedelt werden, welchen die Freiheit geschenkt, welchen sie entrissen werden soll, welche Könige Sklaven werden und dem Haupt welcher es notwendig ist, dass der königliche Schmuck sie umgibt, welche Städte stürzen mögen, welche entstehen sollen, mein Urteilsspruch ist es. In dieser so großen Möglichkeit der Sachen trieb mich nicht der Zorn zu ungerechten Strafen, nicht der jugendliche Umgestüm, nicht die Unbedachtheit der Menschen und nicht der Eigensinn, der auch oft den ruhigsten Herzen die Geduld entrissen hat. Selbst nicht die unheilvolle Ruhmessucht des Zeigens der Macht durch Schreckenstaten, aber häufig bei großen Herrschern. Eingesteckt, ja sogar gefesselt ist das Schwert bei mir, höchste Sparsamkeit auch des wertlosesten Blutes; jeder, dem anderes fehlt, ist bei mir durch den Namen des Menschen angesehen. Strenge habe ich verborgen, aber die Güte zur Hand; ich bewache mich so, gleich als ob ich den Gesetzen, die ich aus Verwitterung und Schatten ins Licht rief, Rechenschaft ablegte, durch das beginnende Alter des einen wurde ich bewegt, durch das zu Ende gehende des anderen, ich schenkte der Würde den einen und der Demut den anderen; sooft ich keinen Grund des Mitleids entdeckt hatte, schonte ich mich. Heute bin ich bereit, den Unsterblichen Göttern des Menschengeschlechts aufzuzählen, wenn sie von mir Rechenschaft fordern.“
Das kannst du kühn behaupten, Caesar, dass alles, das in deine Treue, deinen Schutz kam, sicher behandelt wird und nichts von dir weder mit Gewalt noch heimlich Schlechtes für den Staat angeschafft wird.

Autor: Agrippina