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De Brevitate Vitae - 12, 01-03 (Falsche Muße)


Du fragst dich vielleicht, wen ich beschäftigt nenne.
Die Muße einiger gewisser ist beschäftigt:
Wie sehr sich auch von allem in das Haus oder in ihr Bett, in die Mitte der Einsamkeit zurückziehen, sie sind sich selbst beschwerlich:
Man darf das Leben derer nicht „müßig“ nennen, sondern „träge Betriebsamkeit“. Jenen nennst du müßig, der die korinthischen Vasen durch ängstlichen Scharfsinn sortiert, und den größten teil des Tages mit rostigen Metallplättchen verbringt? Der als Zuschauer der Jungen auf dem Ringplatz sitzt, während sie ringen? Der den neusten Athlet nährt? Was? Jene nennst du müßig, die viele Stunden beim Friseur verleben, während abgerupft wird, falls was in der letzten Nacht nachgewachsen ist? Wer ist von diesen da, die nicht lieber wollen, dass die Republik verwirrt wird als ihr Friseur? Die nicht lieber wollen gekämmt zu sein, als angesehen? Diese nennst du müßig, die zwischen Kamm und Spiegel müßig sind?

Autor: Lisa