Latein24.de

De Brevitate Vitae - 05, 01-02 (Das Beispiel Cicero -- Die Freiheit des Weisen)

M. Cicero, zwischen Menschen wie Catalina und Clodius sowie Pompeius und Crassus, die teils offenkundige Feinde, teils zweifelhafte Freunde waren, geworfen, während er zusammen mit dem Staat schwankt und jenen zugrunde Gehenden hält, zuletzt hinweggerissen, weder ruhig im Glück, noch das Unglück ertragend, wie oft hat jener sein eigenes Konsulat verflucht, nicht ohne Grund, aber ohne Ende gelobt!

Welche klagenden Worte bemerkte er in dem gewissen Brief an Atticus, nachdem der Vater Pompeius schon besiegt worden ist, während der Sohn (dabei ist,) in Spanien schwache Heere wieder einsatzfähig machte! "Was ich hier tue", sagt er, "fragst du? Ich warte halbfrei auf meinem Gut in Tusculum." Anderes fügt er danach hinzu, mit welchem er sowohl sein früheres Leben beklagt, als auch über die Gegenwart jammert, als auch an seiner Zukunft verzweifelt.

Halbfrei nannte sich Cicero: aber -bei Herkules- niemals wird ein Weiser zu einer so tiefgestellten Benennnung herabsinken, niemals wird er halbfrei sein, stets im Besitz einer beständigen, unerschütterlichen Freiheit, losgelöst und sowohl sein eigener Heer, als auch den Übrigen überlegen. Was nämlich kann über dem stehen, der <selbst> über dem Schicksal steht?

Autor: Imke Zugermeier