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De Brevitate Vitae - 01, 02 (1, 4) (Falsche Bedürfnisse)

Was klagen wir über die Natur der Dinge? Sie hat sich wohlwollend gezeigt: Das Leben, wenn man es zu nutzen weiß, ist lang.

Den einen hält unersättliche Habsucht gefangen,

den anderen mühselige Geschäftigkeit in überflüssigen Anstrengungen,

der eine ist vom Wein betrunken,

der andere ist durch das Nichtstun starr,

den anderen erschöpft, immer von fremden Urteilen abhängig, Ehrgeiz,

einen weiteren führt die ruinöse Lust des Kaufens durch alle Länder, durch alle Meere, in Hoffnung auf Profit.

Du glaubst, dass ich von jenen rede, deren Übel unzwifelhaft sind? Schau dir jene an, zu deren Glück man zusammenströmt: Sie werden erstickt durch ihre Reichtümer.

Wie vielen ist Reichtum lästig!

Wie viele sind totenbleich durch anhaltende Lust!

Wie vielen lässt das umgebende (PPP) Volk der Klienten nichts an freier Zeit!

Frage nach diesen, deren Namen auswendig gelernt werden (= deren Namen man kennt): Jener ist der Anhänger von diesem,

dieser ist der Anhänger von jenem;

niemand ist sein eigener.

Autor: Imke Zugermeier