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De Brevitate Vitae - 01, 01, 3-4 (Falsches Bewusstsein)

Der größere Teil der Sterblichen, Paulinus, beklagt sich über die Missgunst der Natur, weil wir <nur> für einen kurzen Zeitabschnitt der Ewigkeit geschaffen werden, weil diese Abschnitte der uns gegebenen Zeit so geschwind, so rasend ablaufen, so sehr, dass nur mit wenigen Ausnahmen das Leben die Übrigen gerade bei der Ausgestaltung des Lebens selbst im Stich lässt.

Wir haben nicht wenig Zeit, sondern (wir) haben viel verschwendet. Ein ausreichend langes Leben und für die Vollendung großer Dinge ist uns reichlich gegeben, wenn das Leben als Ganzes gut aufgebaut wird; aber sobald es durch Luxus und Nachlässigkeit zerrinnt, sobald für keine gute Sache Mühe aufgewendet wird, verstehen wir erst unter dem Zwang der Notwendigkeit nicht, dass es vorbeigeht.

So ist es: Wir haben nicht ein kurzes Leben erhalten, sondern es dazu gemacht und wir sind arm an diesem, sondern verschwenderisch.

Autor: Imke Zugermeier