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Apocolocyntosis - 04

Sie sprach und während sie den Faden von der hässlichen Spindel abrollte, trennte sie die königliche Zeit des törichten Lebens ab. Aber Lachesis mit umwundenen Locken und geschmückten Haaren, den Zopf und die Stirn mit pierischem Lorbeer krönend, nahm den mit glücklicher Hand abzumessenden weißen Faden von der schneeweißen Wolle, die gezogenen nahmen neue Farbe an: Die Schwestern bestaunten die Wollarbeit: minderwertige Wolle wurde in kostbares Metall verwandelt, die goldenen Zeitalter stiegen in schönem Faden herab. Und jene sind maßlos, sie ziehen glückbringende Wolle und freuen sich, die Hände zu füllen, es sind süße Tagwerke. Von selbst eilt das Werk voran und ohne Mühe steigen die zarten Fäden an der herumgedrehten Spindel herab. Sie besiegen die Jahre des Tithon und des Nestor. Phoebus ist da und hilft mit seinem Gesang und freut sich auf die zukünftigen und bald bewegt er fröhlich die Zither, bald hilft er bei den Wollarbeiten. Er hält sie mithilfe eines Liedes angespannt und täuscht sie über die Arbeit hinweg. Und während sie allzu sehr die Zither und die brüderlichen Gesänge loben, sponnen die Hände mit dem gewohnten mehr, und das gelobte Werk übersteigt das menschliche Schicksal. „Parzen, nehmt den Faden nicht ab“, sagte Phoebus, „jener soll die Zeiten des sterblichen Lebens besiegen, für mich ragt der ähnliche durch Miene und Würde hervor, nicht durch Gesang und Stimme. Die Glücksbringende wird dem erschöpften das Zeitalter gewähren und wird die gewählte Stille abbrechen. So wie Lucifer, die fliehenden Sterne verdrängend, oder wie sich Hesperus mit den zurückkommenden Sternen erhebt, so wie der helle Sol die Erde erblickt, wenn die rötliche Aurora den frühen Tag nach gelösten Schatten einleitete, und er das erste Gespann aus den Schranken heraus zu schnellem Lauf antreibt: So ist Caesar anwesend, so wird Rom schon Nero anschauen. Die schimmernde Miene leuchtet von sanftem Glanz und der schöne Nacken lodert durch das wallende Haar.“ Soweit Apollo. Aber Lachesis, die auch selbst dem hübschesten Menschen gewogen war, machte jenes mit voller Hand und gibt Nero noch viele von ihrenen Jahren. Alle befahlen jedoch, dass sie Claudius voll Freude und Glück aus dem Haus geleiten. Und jener gab gewiss den Geist auf und hörte auf, den Eindruck zu machen, als lebe er. Jedoch hauchte er den Geist heraus, während er die Komiker hörte, nur damit Du weißt, dass ich jene nicht grundlos fürchte. Seine letzte Stimme wurde hier unter den Menschen gehört, als er mit dem Teil, mit dem er leichter sprach, einen lauteren Ton von sich gab: „Oje, ich glaube, ich hab mich vollgeschissen.“ Ob er das machte, weiß ich nicht: sicherlich schiss er alles andere voll.

Autor: Nina Rink