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Bellum Catilinae - Kap. 54

Sie waren sich also hinsichtlich einer vornehmen Abstammung, des Alters und der Beredsamkeit fast gleich; auch Geistesgröße und Ruhm waren bei beiden gleichermaßen vorhanden – aber bei dem einen so, bei dem anderen so: Caesar wurde wegen seiner Wohltätigkeit für groß gehalten, Cicero wegen seines untadeligen Lebenswandels. Jener war für seine Güte und Barmherzigkeit bekannt, diesem hat die Strenge Würde verliehen. Caesar hat durch Geben, Helfen und Verzeihen Ruhm erlangt, Cato dadurch, dass er nichts verschenkte. Bei dem einen fanden die Armen eine Zuflucht, bei dem anderen fanden die Bösen ihr Verderben. Bei jenem wurde die Umgänglichkeit gelobt, bei diesem die Beständigkeit. Caesar hatte sich schließlich vorgenommen, zu arbeiten und zu wachen, auf die Angelegenheiten seiner Freunde zu achten – auch, wenn er dabei die eigenen vernachlässigte – und nichts abzuschlagen, was einer Gabe würdig sei. Für sich wünschte er einen bedeutenden Auftrag, ein Heer und einen neuen Krieg, wo sich die Tüchtigkeit in vollem Glanze zeigen könnte. Cato dagegen war das Streben nach Selbstbeherrschung, nach Würde, aber auch besonders nach Strenge eigen; er stritt nicht mit dem Reichen um Reichtum und nicht über die Partei mit einem Parteigänger, sondern mit dem Tüchtigen um Tüchtigkeit, mit dem Beherrschten um Zucht, mit dem Rechtschaffenen um Enthaltsamkeit; er wollte lieber gut sein, als gut scheinen: So kam es, dass er, je weniger er Ruhm anstrebte, dieser umso mehr jenem nachfolgte.

Autor: CVR