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Bellum Catilinae - Kap. 53


Nachdem sich Cato gesetzt hatte, lobten seine Stellungnahme alle ehemaligen Konsuln und auch ein großer Teil des Senats und erhoben die Tugend seines Geistes bis zum Himmel; während sie immer lauter wurden, schmähte einer den anderen als ängstlich. Cato wird für berühmt und groß gehalten; es kam ein Senatsbeschluss zustande, der dem entsprach, was jener vorgeschlagen hatte.
Mich, der ich vieles gelesen und vieles gehört hatte, bewegte es sehr, meine Aufmerksamkeit auf das zu richten, was das römische Volk in Krieg und Frieden, zu Wasser und zu Land an großartigen Taten vollbracht hatte und zu fragen, welche Dinge so große Betätigungen am meisten gefördert hatte. Ich wusste, dass es sehr häufig mit einer kleinen Schar gegen große Legionen von Feinden gekämpft hatte; ich hatte erkannt, dass mit kleinen Truppen gegen starke Könige Kriege geführt worden sind und dass sie dazu noch häufig die Gewalt des Schicksals zu ertragen hatten, dass an Beredsamkeit die Griechen, an Kriegsruhm die Gallier den Römern überlegen waren. Und für mich, der ich viel darüber nachdachte, stand fest, dass die herausragende Tapferkeit weniger Bürger (das) alles vollbracht hatte, und es deshalb geschah, dass den Reichtum die Armut, die Vielheit die Wenigkeit überwunden hatte. Aber nachdem die Gesellschaft durch Ausschweifung und Müßiggang zerrüttet worden war, trug der Staat aufgrund seiner Größe die Laster der Machthaber und Beamten, und wie eine, die durch eine Geburt geschwächt ist, so gab es während langer Perioden in der Tat kaum irgendjemanden in Rom, der an Tugend groß gewesen wäre. Aber in meiner Erinnerung hat es zwei Männer gegeben von ungeheurer Tugend und von ganz verschiedener Art: Marcus Cato und Gaius Caesar. Da nun diese Angelegenheit (uns) diese beiden vor Augen führt, wäre es nicht klug gewesen, diese stillschweigend zu übergehen, ohne die Art und den Charakter eines jeden der beiden – soweit ich dazu in der Lage bin – darzustellen.

Autor: CVR