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Bellum Catilinae - Kap. 35

„Lucius Catilina an Quintus Catulus. Deine herausragende Treue, die sich mir wirklich bestätigt hat, ist mir in meinen großen Gefahren sehr wohltuend – sie hat meiner Empfehlung das Vertrauen geschenkt. Deshalb habe ich in meiner erneuten Überlegung darauf verzichtet, eine Verteidigung vorzulegen: Ich habe beschlossen, eine Rechtfertigung vorzubringen, da ich mir keiner Schuld bewusst bin, welche du – es ist bei Gott möglich – als wahr erkennen mögest. Durch Ungerechtigkeiten und Schmähungen aufgeregt, da ich, der Frucht meiner Arbeit und meines Fleißes beraubt, den Rang meiner Würde nicht hielt, habe ich mir die öffentliche Sache der Armen entsprechend meiner Gepflogenheit zu eigen gemacht – nicht, weil ich die Schulden durch meine Sicherheiten nicht aus Besitzungen lösen könnte (auch durch fremde Sicherheiten würde die Freigebigkeit der Orestilla sie aus ihrem und dem Vermögen ihrer Tochter lösen), sondern weil ich sah, dass Männer, die es nicht wert waren, durch Ehrerweisung zu sehr geachteten wurden und ich zugleich wahrnahm, dass ich durch falschen Verdacht gleichsam verstoßen war. Da bei dieser Angelegenheit in meinem Namen noch genug Ehre vorhanden ist, bin ich den Hoffnungen gefolgt, wenigstens mein übriges Ansehen zu bewahren. Während ich noch mehr schreiben wollte, wurde mir gemeldet, dass eine Gewalttat gegen mich vorbereitet werde. Nun empfehle ich dir Orestilla und übergebe sie deiner Treue; mögest du sie vor Unrecht beschützen – bei deinen Kindern angefleht. Gruß dir!“

Autor: CVR