Latein24.de

Mostellaria Szene 2.3 - Z 431-531

Theopropides: Ich bin dir, Neptun, überaus dankbar, weil du mich mit Mühe lebend von dir nach Hause hast kommen lassen. Aber wenn du in Zukunft wissen wirst, dass ich nur einen Fußbreit ins Wasser gesetzt habe, gibt es keinen Grund, dass du mir nicht auf der Stelle machst, was du nun machen wolltest. Fort mit dir, pack dich weg von mir: nach diesem Tag habe ich dir alles anvertraut, was ich dir anvertrauen wollte!

Tranio (zum Publikum): Beim Pollux, Neptun, du hast reichlich gesündigt, der du dir eine so gute Gelegenheit hast entgehen lassen!

Theopropides: Nach drei Jahren kehre ich aus Ägypten nach Hause zurück; ich glaube: ich werde als von der Familie Erwarteter kommen.

Tranio (zum Publikum): Beim Pollux, jener hätte als ein viel mehr Erwarteter kommen können, der berichten würde, dass du tot bist.

Theopropides (sieht die verschlossene Tür): Aber was ist das? Der Eingang ist am Tag verschlossen. Ich werde klopfen. Hallo, ist irgendjemand drinnen? Öffnet ihr die Tür?

Tranio (tritt vor): Wer ist der Mensch, der nahe an unser Haus herangetreten ist?

Theopropides: Das ist doch mein Sklave Tranio.

Tranio: Oh Theopropides, Herr, sei gegrüßt! Ich freue mich, dass du gesund zurückgekehrt bist. Bist du immer gesund gewesen?

Theopropides: Immer, wie du siehst.

Tranio: Sehr gut.

Theopropides: Was ist mit euch? Seid ihr verrückt?

Tranio: Wieso denn?

Theopropides: Darum, weil ihr draußen herumspaziert, keine Menschenseele passt im Haus auf, weder schließt irgendjemand auf noch antwortet jemand. Durch das Klopfen hätte ich beinahe diese beiden Türflügel kaputtgeschlagen.

Tranio: Sag, hast du etwa dieses Haus berührt?

Theopropides: Wieso hätte ich es nicht berühren sollen? Durch das Klopfen hätte ich sogar, sag ich, fast die Tür kaputtgeschlagen.

Tranio: Du hast sie berührt?

Theopropides: Ich habe es berührt, sag ich, und ich habe geklopft!

Tranio: Weh!

Theopropides: Was ist?

Tranio: Beim Herkules, das ist von dir schlecht getan worden!

Theopropides: Was ist denn jetzt los?

Tranio: Man kann nicht sagen, was für eine empörende und üble Übeltat du gemacht hast.

Theopropides: Warum denn?

Tranio: Flieh, um Gottes Willen, und entferne dich vom Haus! Flieh hierher, flieh näher zu mir! (Theopropides nähert sich Tranio) Du hast die Tür berührt?

Theopropides: Auf welche Art hätte ich klopfen können, wenn ich sie nicht berührt hätte?

Tranio: Du hast getötet, beim Herkules…

Theopropides: … welchen Menschen?

Tranio: All die deinen.

Theopropides: Alle Götter und Göttinnen sollen dich mit diesem unheilvollen Wort da machen… !

Tranio: Ich fürchte, dass du dich und diese [Sklaven] dort nicht von der Schuld befreien kannst.

Theopropides: Wegen welcher Sache? Oder welche neue Sache bringst du so plötzlich an?

Tranio: Und hey, befiehl den beiden sich von dort zu entfernen!

Theopropides (zu den Sklaven): Entfernt euch!

Tranio: Fasst das Haus nicht an! (legt die Hände auf die Erde) Berührt auch ihr die Erde!

Theopropides: Ich bitte dich, beim Herkules, warum sprichst du die Sache nicht aus?

Tranio: Weil es sieben Monate sind, seit niemand einen Fuß in dieses Haus hineingesetzt hat, seitdem wir ausgezogen sind.

Theopropides: Sprich es aus: wie bitte?

Tranio: Blick dich doch um! Denn ist da irgendjemand, der unsere Unterhaltung aufschnappen kann?

Theopropides: Es ist vollkommen sicher.

Tranio: Blick dich auch um!

Theopropides: Niemand ist da. Sprich jetzt gleich!

Tranio: Ein Kapitalverbrechen ist begangen worden.

Theopropides: Was ist? Ich merke nichts.

Tranio: Ein Verbrechen, sag ich, ist schon lange begangen worden, ein ganz altes.

Theopropides: Ein ganz altes?

Tranio: Diese Tat haben wir erst jetzt entdeckt.

Theopropides: Was ist diese Verbrechen oder wer hat es verübt? Lass hören!

Tranio: Ein Gastgeber hat einen Gast getötet, nachdem er ihn mit den Händen ergriffen hatte - der dir, wie ich glaube, dieses Haus verkauft hat.

Theopropides: Er hat getötet?

Tranio: Und er hat dem Gast Gold gestohlen und den Gast genau hier im Haus vergraben.

Theopropides: Weswegen vermutet ihr diese Tat?

Tranio: Ich will es sagen, hör zu! Als dein Sohn außerhalb gegessen hatte, nachdem er vom Essen nach Hause zurückgekehrt war, sind wir alle weggegangen um uns hinzulegen; wir sind tief eingeschlafen. Ich hatte zufällig vergessen, die Lampe auszulöschen, und jener schreit ganz plötzlich laut auf.

Theopropides: Wer? Etwa mein Sohn?

Tranio: Pst! Hör nur zu! Er sagt, dass jener Tote im Traum zu ihm gekommen sei.

Theopropides: Offenbar also… im Traum?

Tranio: Ja; aber höre nur zu! Er sagt, dass jener Tote ihm auf diese Weise gesagt habe…

Theopropides: Im Traum?

Tranio: Es wäre verwunderlich, dass er es ihm sagte, während er wach war, der vor 60 Jahren schon getötet worden ist. Manchmal bist du ganz schön bescheuert.

Theopropides: Ich schweige.

Tranio: Aber höre, was der Tote jenem im Traum sagte: „Ich bin ein Gast, Diapontius aus Übersee. Hier wohne ich. Diese Wohnung ist mir gegeben. Denn Orkus wollte mich nicht in die Unterwelt aufnehmen, weil ich frühzeitig das Leben entbehre. Ich bin gegen die Treue getäuscht worden. Der Gastgeber hat mich hier getötet, und dieser hat mich ohne Begräbnis heimlich hier im Haus verscharrt, verbrecherisch – wegen des Goldes. Nun sollst du von hier wegziehen! Verbrecherisch ist das Haus, gottlos ist die Wohnung.“ – Die Gespenstererscheinungen, die hier geschehen, kann ich während eines Jahres kaum nennen.
(man hört Geräusche aus dem Haus) Pst! Pst!

Theopropides: Was, um Himmels Willen beim Herkules, ist passiert?

Tranio: Die Tür hat geknarrt. Hat jemand da geklopft?

Theopropides: Ich habe kaum noch einen Tropfen Blut. Die Toten holen mich zu Lebzeiten in die Unterwelt.

Tranio (für sich): Ich bin erledigt! Jene werden heute diese Geschichte durcheinanderbringen. Wie heftig ich Angst habe, dass dieser mich auf frischer Tat ertappt.

Theopropides: Was redest du mit dir selbst?

Tranio: Geh weg von der Tür! Flieh, ich beschwöre dich, beim Herkules!

Theopropides: Wohin soll ich fliehen? – Flieh du auch!

Tranio: Ich habe keine Angst. Ich habe Frieden mit den Toten.

(Stimme aus dem Haus) – Hallo, Tranio!

Tranio (leise ins Haus): Du wirst mich nicht ansprechen, wenn du vernünftig bist. (laut) Ich habe nichts verschuldet und ich habe diese Tür dort nicht berührt!

Theopropides: Bitte…

Tranio (ins Haus): Pass auf, dass du kein Wort machst!

Theopropides: Sag, warum sprichst du woanders hin?

Tranio: Hau ab von hier!

Theopropides: Welche Sache beschäftigt dich, Tranio? Mit wem redest du dies?

Tranio: Ach, bitte, du hattest ihn etwa angesprochen? So werden mich die Götter lieben, ich habe geglaubt, dass jener Tote dich zur Auslieferung fordere, weil du die Tür berührt hättest. Aber du stehst immer noch da und gehorchst nicht dem, was ich sage?

Theopropides: Was soll ich machen?

Tranio: Pass auf, dass du nicht zurückblickst! Flieh! Verhülle dein Haupt!

Theopropides: Warum fliehst du nicht?

Tranio: Ich habe Frieden mit den Toten.

Theopropides: Ich weiß. Wenn das so ist… ? Warum warst du dann so sehr in Angst geraten?

Tranio: Du sollst nicht um mich besorgt sein, sage ich. Ich werde für mich sorgen. Du fliehe, wie du angefangen hast, so weit wie jemand fliehen kann, und ruf Herkules an!

Theopropides: Herkules, ich rufe dich an! (läuft von der Bühne)

Tranio: Und ich... [rufe Herkules an] dass er dir heute, Alter, großes Übel geben mag. Oh unsterbliche Götter, ich erflehe euren Schutz! Was habe ich heute an übler Tat zustande gebracht!