Latein24.de

Mostellaria Szene 2.1 - Z 348-408

Tranio: Der höchste Jupiter wünscht mit viel Einsatz und Energie, dass ich und Philolaches, der Sohn des Herren, zugrunde gehen. Unsere Hoffnung ist untergegangen, nirgends ist ein Haltepunkt für unsere Zuversicht und selbst die Göttin der Rettung könnte uns nicht mehr helfen, wenn sie wollte: Soeben erblickte ich solch ein großes Gebirge grauenhafter Gram am Hafen: Der Herr kehrt aus der Ferne zurück, das ist Tranios Ende. (ins Publikum) Wo sind jene Prügelsklaven, gefesselte Sklaven, oder jene, die für drei Münzen unter die feindlichen Belagerungstürme gehen, wo ist irgendjemand, der gewöhnt ist, dass 10 Lanzen seinen Körper auf einmal durchbohren? Ich werde demjenigen ein Talent geben, der zuerst zum Marterkreuz hingerannt ist, aber unter der Bedingung, dass die Füße doppelt und die Arme doppelt festgenagelt werden. Sobald er es gemacht hat, soll er von mir das Silber sofort einfordern! Aber ich - bin ich denn verblendet, warum eile ich nicht mit schnellen Schritten nach Haus? (eilt auf Philolaches zu)

Philolaches: (sieht Tranio) Er ist da, die Fischmahlzeit ist da! Siehe da! Tranio kommt vom Hafen zurück.

Tranio: Philolaches!

Philolaches: Was ist?

Tranio: Sowohl ich als auch du...

Philolaches: Was heißt: Sowohl ich als auch du...?

Tranio: Wir sind verloren!

Philolaches: Wieso?

Tranio: Dein Vater ist wieder da.

Philolaches: Was höre ich da von dir?

Tranio: Wir sind vernichtet! Dein Vater, sag ich, ist gekommen!

Philolaches: Wo ist er, ich flehe dich an?

Tranio: Wo er ist? Er ist da!

Philolaches: Wer sagt das? Wer hat ihn gesehen?

Tranio: Ich persönlich hab ihn gesehen, sage ich.

Philolaches: O weh mir! Was mache ich jetzt?

Tranio: Was fragst du mich, Unglücklicher, was du machst? Du liegst hier.

Philolaches: Hast du ihn gesehen?

Tranio: Ich persönlich, sage ich.

Philolaches: Sicher?

Tranio: Ja sicher, sage ich.

Philolaches: Ich bin tot, wenn du die Wahrheit sprichst!

Tranio: Was wäre daran gut für mich, wenn ich lügen würde?

Philolaches: Was soll ich jetzt machen?

Tranio: Lass all dieses hier wegräumen. (sieht den schlafenden Callidamates) Wer schläft dort?

Philolaches: Callidamates. (zu Delphium) Weck ihn auf, Delphium!


Delphium: (rüttelt Callidamates) Callidamates, Callidamates, wach auf!

Callidamates: Ich wach auf! Gib mir was zu trinken!

Delphium: Wach auf! Philolaches Vater kehrt aus der Ferne zurück!

Callidamates: Genug vom Vater! / Soll es ihm gutgehen!

Philolaches: Es geht ihm sicher gut, und ich komm grausam um

Callidamates: Du kommst zweimal um, wie ist das möglich?

Philolaches: Beim Pollux, bitte steh auf! Mein Vater kommt.

Philolaches: Dein Vater kommt? Befiehl, dass er wieder geht! Welchen Grund hatte er denn zurückzukommen? (sinkt zurück)

Philolaches: Was soll ich machen? Der Vater wird wohl mich unglücklichen betrunken hier antreffen und das Haus, das ist voll Zechgenossen und Weibern. Mühselig ist also die Arbeit, den Brunnen erst dann auszugraben, wenn der Durst die Kehle zuschnürt. So wie ich nun bei der Ankunft des Vaters frage: Was soll ich Unglücklicher machen?

Tranio: (deutet aus Callidamates) Sieh aber: Der hat seinen Kopf hingelegt und schläft. Weck ihn!

Philolaches: (rüttelt Callidamates auf) Wachst du auch auf? Mein Vater, sag ich, wird gleich hier eintreffen!

Callidamates: Sagst du etwa, dein Vater? Gib mir meine Sandalen, damit ich sie als Waffen nehme. Beim Pollux ich werde schon den Vater töten.

Philolaches: Du verdirbst die Sache.

Delphium: (zu Callidamates) Schweig, bitte.

Tranio: (zu den anderen Sklaven) Schleppt ihn sofort auf euren Händen hinein. (Sie heben Callidamates hoch und beginnen, ihn ins Haus zu tragen)

Callidamates: Beim Herkules ich werde euch schon für einen Nachttopf halten, wenn ihr mir keinen Nachttopf gebt.

Philolaches: Ich geh zu Grunde!

Tranio: Hab guten Mut; ich werde diese deine Angst auf prächtige Art und Weise heilen.

Philolaches: Ich bin ein Nichtsnutz!


Tranio: Sei still! Ich werde für dich etwas überlegen, womit ich das zur Ruhe bringen kann. Hast du genug, wenn ich deinen heimkehrenden Vater dahin bringe, dass er nicht nur nicht hinein geht, sondern auch noch weit vom Haus flieht? (zu den zurückkommenden Sklaven) Ihr geht jetzt von hier hinein und nehmt rasch alles mit. (Die Sklaven tragen alle vor dem Haus befindlichen Gegenstände hinein.)

Philolaches: Wo werde ich sein?

Tranio: Wo du es am meisten wünschst. (zeigt auf Delphium, die bei ihm steht) Bei ihr und (zeigt auf Philematium, die neben Philolaches steht) bei dieser da wirst du sein!

Delphium: Was also, so müssen wir von hier fortgehen?

Tranio: Das aber nicht so weit, Delphium! Trinkt nämlich drinnen, aus diesem Grund wenigstens, nicht um so viel weniger!

Philolaches: Wehe mir! Obwohl das verführerisch gesagt ist, wohin soll das hinauslaufen, ich bin nass vor Furcht.

Tranio: (zu Philolaches) Bist du nicht in der Lage, dass du mal ruhig bist und das tust, was ich befehle??

Philolaches: Es ist möglich!

Tranio: (zu den Mädchen) Vor allem als erstes: Philematium, geh du hinein und du, Delphium.

Delphium: Wir beide werden dir willfährig sein.

Tranio: So soll es jener Jupiter machen. (die Mädchen gehen ins Haus) (zu Philolaches) Und nun pass auf, du, was ich sorgfältig ausführen will.Vor allen Dingen das wichtigste: Lass sofort das Haus verschließen. Und pass auch auf, lass drinnen keinen mucksen.

Philolaches: Wird besorgt.

Tranio: So, als ob niemand in dem Haus wohnte.

Philolaches: In Ordnung!

Tranio: Und keiner soll antworten, wenn der Alte an die Tür pocht.

Philolaches: Noch was?

Tranio: Dann lass mir doch den Sicherheitsschlüssel zu diesem Haus bringen, wenn du drinnen bist, damit schließ ich dann das Haus von hier draußen zu.

Philolaches: In deinen Schutz lege ich mich und meine Hoffnung, Tranio.

Philolaches: Da ist kein Hauch Unterschied, ob der Patron besser wäre als sein Klient. (Philolaches geht ins Haus)

by Raybez