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Mostellaria Szene 1.3 - Z 186-257

Scapha: Ich wundere mich dass du, eine so gescheite, so gewandte und hoch gebildete Frau jetzt so dumm ist und so eine Dummheit begehen kann.

Philematium: Wenn ich mich irre, ermahne mich bitte.

Scapha: Beim Kastor, du irrst dich, weil du auf jenen einen wartest und ausschließlich ihm zu gefallen versuchst und die anderen verachtest. Es ist Sache einer Ehefrau, nicht von Freudenmädchen, nur einem liebendem Mann gefällig zu sein.

Philolaches: (für sich) Oh Juppiter, welches Übel geht in meinem Haus um. Mögen alle Götter und Göttinen mich auf schlechteste Art und Weise umbringen, wenn ich diese Alte nicht vor Hunger, Durst und Kälte sterben lasse.

Philematium: Ich möchte nicht, dass du, Scapha, mir schlechte Ratschläge gibst.

Scapha: Du bist vollkommen bescheuert, wenn du glaubst, dass er dir ewig ein Freund und Gönner sein wird. Ich ermahne dich: Er wird dich verlassen, wenn er dich lange genug hatte und deiner überdrüssig wird.

Philematium: Das hoffe ich nicht.

Scapha: Das Nichterhoffte trifft oft viel früher ein, als das Erhoffte. Doch wenn du dich mit Worten nicht bewegen lässt, mir zu glauben dass diese meine Worte wahr sind, dann lerne die Sache durch Beispiele kennen. Du siehst, wer ich bin und wer ich war. Ich wurde einst nicht weniger geliebt, als du jetzt. Nur an einen Mann hängte ich mich. Doch als sich mit dem Alter auch die Farbe meines Haares änderte, verschwand er und ließ mich sitzen. Beim Pollux, ich glaube, dir wird es auch einmal so gehen.

Philolaches: (für sich) Ich kann mich kaum zurückhalten, dass ich nicht der Verführerin in die Augen fahre.

Philematium: Ich schätze, ich soll ihm allein gehorsam sein: Er kaufte mich für sich mit seinem eigenen Geld frei.

Philolaches: (für sich) Bei den unsterblichen Göttern, welch niedliche Frau und mit welch angeborener Keuschheit. Gut gemacht und ich freue mich, dass ich ihretwegen nichts mehr

Scapha: Beim Castor, du bist freilich dumm.

Philematium: Warum?

Scapha: Weil du dich darum sorgst, dass jener dich liebt.

Philematium: Warum, ich beschwöre dich, soll ich nicht Sorge tragen?

Scapha: Du bist schon frei. Du hast doch schon, was du suchtest. Wenn jener dich nicht darüber hinaus lieben wird, möge er soviel an Silber verloren haben, wie er auf deinen Kopf gegeben hat.

Philolaches: (für sich) Mit mir ist's aus, beim Herkules, wenn ich jene nicht mit dem schlimmsten Methoden umgebracht haben werde. Jene Übeltäterin verdirbt mir diese meine Frau!

Philematium: Ich kann diesem niemals so dankbar sein, wie er sich um mich verdient gemacht hat. Scapha, rate mir nicht, ihn zu gering zu schätzen.

Scapha: Doch bedenke dies eine. Wenn du dich ihm allein ergibst, solange du noch dies zarte Jugendalter hast, wirst du dich im Greisenalter sehr darüber beklagen.

Philolaches: (für sich) Ich wollte mich auf der Stelle in einen Strick verwandeln, die Kehle dieser Giftspritze fassen und diese verräterische Hetzerin erwürgen.

Philematium: Ich muss diesem gegenüber jetzt, da ich es zustande gebracht habe, genauso dankbare Gesinnung haben, wie damals, bevor ich es erreicht habe, als ich ihm schmeichelte.

Philolaches: (für sich) Die Götter sollen mit mir machen, was sie wollen, damit ich dich nicht für diese Worte zum zweiten mal frei lasse und Scapha erwürgen werde.

Scapha: Wenn du meinst, dass du für alle Zeit Lebensunterhalt haben wirst und jener Liebhaber für das ganze Leben dein eigen ist, dann, glaub ich, musst du ihm allein willfährig sein und deine Haare flechten.

Philematium: Welchen Ruf ein Mensch hat, so fließt ihm gewöhnlich das Geld zu. Wenn ich mir meinen guten Ruf bewahre, werde ich reich genug sein.

Philolaches: (für sich) Beim Herkules, selbst wenn ich meinen Vater verkaufen muss, tritt dies viel leichter ein, als dass ich dich solange ich lebe Mangel leiden und betteln ließe.

Scapha: Und welches Schicksal werden die haben, die dich lieben?

Philematium: Sie werden mich noch mehr lieben, wenn sie sehen werden, dass ich dem dankbar bin, der mir Geld gibt.

Philolaches: (für sich) Würde doch jetzt eine Nachricht vom Tod meines Vaters zu mir kommen, damit ich es durchsetzen könnte, dass ich mich enterbe und sie die Erbin sei.

Scapha: Schon wird ja sein Hab und Gut aufgebraucht sein, Tag und Nacht wird geschlemmt und gezecht, keiner übt Sparsamkeit: Die reine Mastanstalt.

Philolaches: (für sich) Beim Herkules, so viel ist sicher: Zuerst einmal probiere ich die Sparsamkeit an dir aus, denn weder essen noch trinken wirst du bei mir in den nächsten zehn Tagen.

Philematium: Wenn du gut über ihn sprechen willst, wird es erlaubt sein, dass du sprichst: Aber wenn du nicht recht redest, beim Castor, wirst du wahrlich Prügel beziehen!

Philolaches: (für sich) Beim Pollux, wenn ich dem höchsten Juppiter mit dem gutem Geld ein Opfer gebracht hätte, das ich für ihr Haupt gab, hätte ich es niemals gleich gut investiert. Man sieht, dass ich sie bis auf die Knochen liebe. Oh, was bin ich für ein guter Mensch: In ihr, die für mich die Verteidigung übernimmt, befreie ich mir einen Schutzherrn.

Scapha: Ich sehe, dass du von allen anderen Menschen niemand schätzt wie Philolaches. Nun, damit ich nicht aus diesem Grund verprügelt werde, stimme ich dir lieber zu, wenn du genügend die Ansicht hast, dass dir dieser ewig Freund sein wird.

Philematium: Gib mir rasch einen Spiegel und das Kästchen mit Schmuck, Scapha, damit ich geschmückt bin, wenn Philolaches hier ankommt, meine Begierde.

Scapha: (gibt ihr den Spiegel) Eine Frau, die sich und ihre Jugend verachtet, braucht einen Spiegel. Was brauchst du ihn, die du selbst für einen Spiegel der größte Spiegel bist?

Philolaches: (für sich) Damit du dieses Wort nicht umsonst so reizend gesagt haben wirst, Scapha, erhälst du heute dafür ein Sonderhonorar, meine Philematium.

Philematium: Siehst du, ob mein Haar auch schön geordnet ist, wie es sich gehört, jedes an seinem Platz ist?

Autor: Raybez