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Satyrica - 141

1 „Das Schiff aus Afrika, wie du versprochen hast, kam nicht mit deinem Geld und deiner Familie. Die nun schon geschröpften Erbschleicher haben ihre Freigiebigkeit eingeschränkt. Deswegen: entweder ich täusche mich oder das allgemeine Glück beginnt sich in seine Reue zurückzuziehen .“

2 „Alle, die in meinem Testament Vermächtnisse haben, abgesehen von meinen Freigelassenen , mögen es unter der Bedingung erhalten, die ich gegeben habe, dass sie meinen Körper in Stücke schneiden und vor den Leuten aufessen.“

3 „Bei einigen Völkerstämmen wissen wir, dass das Gesetz bis jetzt gilt, dass die Verstorbenen von ihren Verwandten aufgegessen werden, tatsächlich so, dass die Kranken häufig beschimpft werden, dass sie ihr Fleisch so schlecht werden lassen.

4 Zu diesem ermahne ich meine Freunde, dass sie nicht ablehnen, was ich befehle, dass sie meinen Atemzug mit ganzer Seele verwünschen, und mit ebendiesen eben auch meinen Körper essen sollen.“...

5 Das kräftige Gerücht über Geld machte die Augen und Seelen der Elenden blind... Gorgias war bereit Folge zu leisten.

6 „Ich habe keine Angst, dass dein Bauch es zurückweisen würde. Er wird dem Befehl gehorchen, wenn du ihm für jenen Ekel einer einzigen Stunde die Entschädigung von einem großen Vermögen versprichst.

7 Schließe nur die Augen und bilde dir ein, dass du nicht menschliches Fleisch sondern eine Million Sesterzen aufäßest.

8 Zudem mag es sein, dass wir irgendwelche Soßen finden werden, mit denen wir den Geschmack ändern können. Denn es schmeckt ja kein Fleisch für sich, aber mit einer gewissen Kunst wird es schmackhaft gemacht und vereint sich mit dem abweisenden Magen.

9 Wenn Du diesen Rat auch durch Beispiele prüfen lassen willst: Die Saguntiner haben, als sie von Hannibal belagert waren, Menschenfleisch gegessen und erwarteten keine Erbschaft.

10 Die Peteliner machten dasselbe bei äußerstem Hunger, und nichts anderes versuchten sie durch diese Speise zu erreichen als nicht so zu verhungern.

11 Als Numantia von Scipio eingenommen war, sind Mütter gesichtet worden, welche auf dem Schoß die halbaufgegessenen Körper ihrer Kinder hielten.“

Autor: jauchi