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Satyrica - 140

1 Eine aus den ersten Kreisen hoch angesehene Dame mit dem Namen Philomela, welche Mittels ihrer Jugend oft viele Erbschaften erschlichen hatte, dann aber pflegte sie als Alte und von verwelkter Blüte, Tochter und Sohn kinderlosen alten Herren aufzudrängen, und durch dieses gute Geschäft fuhr sie fort, ihre Kunst weiter zu betreiben.

2 Diese also kam zu Eumolp und vertraute ihre Kinder seiner Weisheit und Güte an....sie vertraue sich und ihre Wünsche <ihm> an. Jener sei auf der ganzen Erde der einzige, der die Jugend mit heilsamen Lehren täglich belehren könne.

3 Kurzum, sie ließe die Kinder im Haus Eumolps, damit sie jenen sprechen hören...dieses allein könne den Kindern als Erbe gegeben werden.

4 Und sie machte genau das, was sie gesagt hatte , und die auffallend schöne Tochter und den jungen Bruder ließ sie im Schlafgemach zurück und tat so, als ginge sie in den Tempel, um Gebete zu sprechen.

5 Eumolp, der so maßvoll war , dass auch ich jenem wie ein Knabe schien, zögerte nicht, das Mädchen zu heiligen Liebesspielen einzuladen.

6 Aber allen hatte er gesagt, dass er sowohl an Gicht als auch an geschwächten Lenden zu leiden hätte, und wenn er die Täuschung nicht uneingeschränkt weiterspiele, würde die Tragödie beinahe Gefahr laufen, zu platzen.

7 Um deswegen der Lüge treu zu bleiben , bat er natürlich das Mädchen, sich auf seine empfohlene Güte zu setzen, Korax befahl er jedoch, unter das Bett, in welchem er selbst lag, zu kriechen und indem er die Hände auf den Boden stützte, durch seine Hüften den Herren zu bewegen.

8 Jener gehorchte langsam dem Befehl und die Kunstfertigkeit des Mädchens erwiderte es mit gleicher Bewegung.

9 Als also die Sache zur Vollendung gelangte, ermahnte Eumolp mit klarer Stimme Korax, dass er seine Pflicht häufiger machen solle . So zwischen dem Diener und dem Mädchen gelegt amüsierte sich der Alte gleich wie auf einer Schaukel.

10 Dieses machte Eumolp einmal und noch einmal bei ungeheurem Gelächter, auch seinem selbst.

11 Deswegen, um durch Müßiggang die Gewohnheit nicht zu verlieren, wollte ich, als der Bruder die Kunststücke seiner Schwester durch das Schlüsselloch bewunderte, versuchen, mich ihm zu nähern, ob er denn auch ein Unrecht ertragen könnte. Und der sehr gelehrte Junge sträubte sich nicht vor meinen Zärtlichkeiten, aber die feindlich gesinnte göttliche Macht fand mich auch hier.

12 „Es sind mächtigere Götter , die mich in den frischen Zustand zurückgebracht haben. Merkur nämlich, welcher die Seelen hin und zurückzuführen pflegt, gab mir durch seine Segnungen wieder, was eine zornige Hand abgeschnitten hatte, auf dass Du weißt, dass ich bevorzugter war als Protesilaus oder irgendein anderer der Alten.“

13 Dieses gesprochen hob ich die Tunica hoch und zeigte mich Eumolp als ganzen Mann. Aber jener war erst erschrocken, darauf, um es auch wirklich zu glauben, berührte er das Göttergeschenk mit beiden Händen.

14 „Sokrates, der nach dem Urteil der Götter und Menschen weiseste , pflegte sich zu rühmen, dass er niemals eine Taverne erblickt noch einen Blick auf eine Versammlung irgendeiner dichtgedrängten Menge warf. Vielmehr ist nichts angenehmer als sich stets mit der Weisheit zu unterhalten .“...

15 „All diese Dinge“ sagte ich“ sind wahr; und niemand soll schneller in Unglück gleiten als Menschen, die fremdes Gut begehren. Wovor aber sollten Landstreicher, wovon Taschendiebe leben, wenn sie weder Kästchen noch durchs Geld klingelnde Säckchen am Haken in die Menge brächten? Wie stumme Tiere vom Futter satt werden, so würden Menschen nicht zugreifen, wenn sie nicht etwas Hoffnung zu beißen bekämen .“

Autor: jauchi