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Cena Trimalchionis - Kapitel 45

„Ich bitte dich“, sagte Echion, der ein Deckenhersteller war, „sprich besser darüber. „Mal so, mal so, “ sagte der Bauer: er hatte nämlich eine läufige Sau verloren. Was heute nicht ist, kann ja morgen noch werden: so bedrängt einen das Leben. Beim Herkules, über das Vaterland könnte nicht besser geredet werden, wenn es dort tüchtige Leute geben würde. Aber in dieser Zeit leidet es, und nicht nur das. Wir dürfen nicht wählerisch sein, überall ist der Mittelpunkt des Himmels. Wärst du anderswo gewesen, so würdest du wohl sagen, dass hier gebratene Tauben spazieren gehen. Und schau da, für das Fest übermorgen werden wir ein hervorragendes Geschenk haben. Es wird nicht die Sippe eines Fechtmeisters da sein, sondern sehr viele Freigelassenen. Unser Titus hat einerseits ein großes Herz, andererseits ist er ein Hitzkopf: entweder das oder jendes, irgendetwas wird es jedenfalls sein. Denn jender ist ein guter Freund von mir, er macht keine halben Sachen. Er wird sein bestes Schwert verschenken, ohne dabei zu fliehen, damit er ein Blutbad in Mitten des Amphitheaters sieht. Und woher hat er’s: jenem wurden 30 Millionen Sesterzen hinterlassen, sein Vater ist verschieden. Übel! Mag er auch 400˙000 aufwenden, sein Vermögen wird nichts davon spüren, und ein Name wird auf ewig genannt werden. Er hat schon einige wilde Burschen und eine Wagenkämpferin zur Frau, und den Kassenwart des Glyco, der schon dabei erwischt wurde, als er seine Herrin befriedigte. Man sieht eine Rauferei des Volkes zwischen den Eifersüchtigen und den Liebhaber. Aber Glyco, ein Mensch, der kaum einen Sesterz wert ist, warf den Kassenwart den wilden Tieren vor. Das heißt, dass er sich selbst an den Pranger gestellt hat. Welchen Fehler macht ein Sklave, der gezwungen wird es jemanden zu machen? Jener nachttopf würde es eher verdienen, dass ihn ein Stier in die Luft wirft. Aber wer den Esel nicht schlagen kann, schlägt den Sattel. Warum aber glaubte Glycon, dass es mit der nichtsnutzigen Tochter des Hermogenes jemals ein gutes Ende nehmen würde? Jener konnte einem fliegenden Falken die Krallen schneiden. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Glycon, Glycon hat die Seinen geopfert; deshalb wird er dieses Bandmal solange haben wie er lebt, und nur der Tod wird jenes zerstören. Jeder muss für sich selbst sündigen. Aber ich ahne es, weil uns Mammea ein Festmahl geben wird, mir und den Meinen hat er je zwei Denar gegeben. Wenn er aber das tut, wird er dem Norbanus die ganze Gunst rauben. Du weißt, es gehört sich, dass dieser mit vollen Segeln siegen wird. Und was hat jener in Wahrheit für uns Gutes getan? Er gab uns Galdiatoren, die schon altersschwach und gerade mal einen Sesterz wert waren und die gefallen wären, wenn man sie angeblasen hätte; ich habe schon bessere Tierkämpfer gesehen. Bei Laternenlicht schlug er Reiter zu Boden, man hätte glauben, dass diese kämpfende Hähne sind; der eine war ein lahmer Esel, der andere ein Hinkebein und der dritte war ein lebendiger Leichnam, der durchschnittene Sehnen hatte. Der eine war ein Thraker mit etwas Qualität, der sogar nach den Regeln kämpfte. Kurzum, später wurden sie alle augepeitscht; sehr oft bekamen sie „schlagt sie“ von der Menge zu hören, eindeutig lauter Flüchtlinge. „Dennoch habe ich dir ein Geschenk gegeben“, sagte er: und ich applaudiere dir. Rechne es dir aus, ich habe dir sogar mehr gegeben als ich bekommen habe. Eine Hand wäscht die andere.

Autor: gandalf