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Cena Trimalchionis - Kapitel 42

Seleucus nahm den Teil der Geschichte auf und sagte: "Ich wasche mich nicht täglich; das Bad ist nämlich eine Walkmühle: das Wasser hat Zähne und unser Herz altert täglich. Aber da ich einen Topf voll Honigwein getrunken habe, pfeife ich auf die Kälte. Auch heute konnte ich mich nicht vernünftig waschen; denn ich war bei einem Begräbnis. Der so gute Crysanthus ist abgekratzt, er war ein feiner Kerl. Gerade eben hat er nach mir gerufen. Ich scheine mit ihm zu reden. Ach, o weh! Wie aufgeblasene Schläuche gehen wir umher. Wir sind weniger wert als eine Mücke. Dennoch haben jene irgendeine Tugend. Wir sind nicht mehr als eine Blase. Und was, wenn er nicht so ein Abstinenzler gewesen wäre. Fünf Tage lang nahm er kein Wasser in seinen Mund, und keinen Krümel Brot. Trotzdem geht er zur Mehrheit. Die Ärzte haben jenen vernichtet, ja sogar mehr das böse Schicksal; denn ein Arzt ist nichts anderes als ein Trost für die Seele. Dennoch wurde er ehrenvoll beerdigt, auf einem Totenbett, mit hübschen Decken. Die Trauer war sehr rührend – er hat einige freigelassen – auch wenn ihn seine Ehefrau nicht angemessen beweint hat. Was, wenn er jene nicht sehr gut behandelt hätte? Aber seine Frau, die eine Frau ist, gehört zum Geschlecht der Geier. Es gehört sich für niemanden, nichts Gutes zu tun; es wäre nämlich das gleiche, wie wenn du das Gute in den Brunnen werfen würdest. Aber alte Liebe ist ein Krebs."

Autor: gandalf