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Cena Trimalchionis - Kapitel 34

Nachdem das Spiel unterbrochen worden war, hatte Trimalchio bereits dieselben Speisen gefordert und mit deutlicher Stimme die Möglichkeit gegeben, falls irgendjemand von uns noch einmal Honigwein nehmen wollte, als plötzlich ein Zeichen durch das Orchester gegeben wurde und die Schüsseln gleichzeitig von einer singenden und tanzenden Schar weggetragen wurden. Als übrigens inmitten des Durcheinanders zufällig eine kleine Schüssel hinuntergefallen war und ein Knabe die am Boden liegende aufgehoben hatte, schritt Trimalchio ein und befahl den Knaben mit Ohrfeigen zu bestrafen und die kleine Schüssel wegzuwerfen. Unmittelbar folgte ein Sklave, der für den Hausrat zuständig ist, und unter dem übrigen Abfall fing er an das Silbergeschirr mit einem Reisigbesen hinauszufegen. Sogleich traten zwei langhaarige Äthiopier mit sehr kleinen ledernen Schläuchen ein, wie sie gewöhnlich dazu da sind, die Arena im Amphitheater zu besprengen, und sie gossen Wein in die Hände; denn niemand reichte Wasser da. Der Herr, der wegen der Feinheiten gelobt worden war, sagte: „Mars liebt es gleich. Deshalb habe ich befohlen jedem seinen eigenen Tisch zuzuteilen. Außerdem werden uns auch die stinkenden Sklaven durch ihr Gedränge die Luft nicht mehr verpesten. Sofort wurden gläserne Amphoren, die sorgfältig mit Gips verschlossen wurden hereingebracht, in deren Hälsen Etiketten mit folgender Aufschrift befestigt waren: „Hundert-jähriger opimianischer Falernerwein.“ Während wir die Etikette durchlasen, klatschte Trimalchio in die Hände und sagte: „Ach, ein Wein lebt also länger als ein Menschlein. Lasst uns deshalb anstoßen. Der Wein ist das Leben. Ich spendiere euch einen echten Opimius. Gestern hab ich einen weniger guten vorgesetzt, und viel ehrwürdigere Leute speisten.“ Während wir also tranken und sehr sorgfältig den Luxus bewunderten, brachte ein Sklave ein silbernes Skelett herbei, das so eingerichtet war, dass seine Glieder und die locker verbundenen Gelenke sich in jede Richtung biegen ließen. Als er dieses wiederholt über den Tisch fallen gelassen hatte und die bewegliche Gliedergruppe einige Figuren dargestellt hatten, fügte Trimalchio hinzu:

„Ach wir armen, wie das ganze Menschlein doch nichts ist!
So werden wir alle sein, nachdem uns der Orkus weggebracht hat. Lasst uns also leben, so lange es uns gut geht.“

Autor: gandalf