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Cena Trimalchionis - Kapitel 31

Als wir, die wir uns durch diese so große Wohltat verpflichtet fühlten, das Speisezimmer betreten hatten, lief uns eben jener Sklave entgegen, für den wir gefleht hatten, und drückte uns, die wir verblüfft waren, sehr viele Küsse auf die Wangen um sich für unsere Güte du bedanken. „Kurzum, ihr werdet sogleich wissen, wem ihr Güte erwiesen habt“, sagte er. „Der Wein des Herrn ist der Dank des Dieners.“
Also legten wir uns schließlich zu Tisch, währenddessen uns die alexandrinischen Jungen mit Schnee gekühltes Wasser in die Hände gossen und andere uns bis auf die Füße folgten und mit großer Sorgfalt die eingewachsenen Nägel entfernten. Und nicht einmal bei dieser so lästigen Beschäftigung schwiegen sie, sondern sangen nebenbei. Ich wollte erfahren, ob das ganze Gesinde sang, deshalb verlangte etwas zu trinken. Ein sehr flinker Knabe bediente mich mit nicht weniger gellendem Gesang, ebenso jeder andere, den man um etwas gebeten hatte, dass er es einem gibt. Man hätte glauben können, dass es der Chorraum eines Pantomimen sei, aber nicht das Speisezimmer des Hausvaters.
Dennoch wurde eine sehr ansehnliche Vorspeise serviert; denn es lagen schon alle zu Tisch außer Trimalchio selbst, dem der vorderste Platz nach neumodischer Sitte aufgehoben wurde. Übrigens war auf das Servierbrett für die Vorspeise ein korinthischer Esel mit einem Doppelsack gestellt, der in dem einen Sack hellgrüne Oliven hatte und im anderen schwarze. 2 Schalen umgaben den Esel, auf deren Ränder der Name „Trimalchio“ und das Gewicht des Silbers eingraviert worden war. Angelötete Stege trugen sogar Haselmäuse, die mit Honig und Mohn bestreut worden waren. Es gab sowohl heiße Würstchen, die auf einen kleinen silbernen Grill gelegt worden waren als auch syrische Kohle mit Kernen eines punischen Apfels unterhalb des Grills.

Autor: gandalf