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Cena Trimalchionis - Kapitel 30


Es war nicht möglich so vieles in Ruhe zu betrachten. Schon waren sie zum Speisezimmer gelangt, in dessen ersten Teil der Verwalter die Rechnungen entgegennahm. Und – was mich besonders wunderte – an den Torpfosten des Speisezimmers waren Fackeln mit Äxten befestigt, deren unterster Teil gleichsam von einem bronzenen Schnabel eines Schiffes begrenzte wurde, worauf geschrieben war: „Cinnamus, dem C. Pompeius Trimalchio, dem Mitglied des 6-Mann-Kollegiums des Augustus, der Finanzverwalter“. Unter derselben Aufschrift hing auch ein zweiflammiger Leuchter vom Gewölbe herab, und an beiden Pfosten waren zwei Tafeln befestigt, von denen die eine, wenn ich mich recht erinnere, folgende Inschrift hatte: „Am 30. und 31. Dezember speist unser Gaius außerhalb“, und die andere zeigte den Lauf des Mondes und der sieben Planeten; und welche Tage angenehm und welche unangenehm waren, wurde mit verschieden farbigen Knöpfen gekennzeichnet. Als wir – durch diese Vergnügungen erfüllt – versuchten das Speisezimmer zu betreten, brüllte einer von den jungen Sklaven, der mit dieser Pflicht betraut war: „Mit dem rechten Fuß!“ Ohne Zweifel gerieten wir ein Bisschen ins Schwanken, dass jemand von uns entgegen dieser Vorschrift über die Schwelle trat.
Als wir gemeinsam den rechten Schritt tun wollten, warf sich uns übrigens ein entkleideter Sklave zu Füßen und begann zu flehen, ihn vor seiner Strafe zu bewahren: sein Fehler, wegen dem er bedroht werde, sei auch nicht groß: ihm sei nämlich die Kleidung des Verwalters, die kaum zehn Sesterzen wert gewesen wäre, im Bad entwendet worden. Wir zogen also unsere rechten Füße zurück und flehten den Verwalter, der im Atrium Goldstücke zählte, an dem Sklaven die Strafe zu erlassen. Jener erhob hochmütig seine Miene und sagte: „Der Verlust erzürnt mich nicht so sehr wie die Nachlässigkeit dieses nichtsnutzigen Sklaven. Er hat meine Festkleider verloren, die mir ein bestimmter Kunde zu meinen Geburtstag geschenkt hatte, ohne Zweifel tyrische Ware, aber schon einmal gewaschen. Was also nun? Ich schenke ihn euch.“

Autor: gandalf