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Heroides - 16 (Paris Helenae, 01-50)

Dir, Tochter der Leda, schicke ich, der Sohn des Priamus , diesen Gruß und wünsche Dir Glück, das mir nur zuteil werden kann wenn du es mir schenkst. Soll ich es aussprechen oder ist es nicht notwendig von einer schon bekannten Flamme zu sprechen und liegt meine Liebe schon mehr zutage, als mir lieb wäre? Ich wollte freilich lieber, sie bliebe verborgen, bis sich die Zeit ergibt, wenn mit der Freude auch nicht Ängste vermischt sein werden. Aber ich verstelle mich schlecht; wer nämlich dürfte schon das Feuer verheimlichen, das sich immer durch seinen Schein selbst verrät. Wenn du trotzdem darauf wartest, dass ich zur Sache auch das Wort nenne – ich brenne! Da hast du das Wort, das meinen Seelenzustand beschreibt. Bitte gehe schonend mit dem Bekenneden um und lies nicht den Rest mit harter Mine, sondern mit einer, die zu deiner Schönheit passt.

Schon das Du meinen Brief angenommen hast, ist mit willkommen, indem es mir Hoffnung macht, dass auch ich in dieser Wiese aufgenommen werden kann. Was Amors Muter beschlossen hat, wünsche ich mir, und dass sie mir dich nicht umsonst versprochen hat, sie, die mir diese Reise geraten hat. Denn ich landete hier auf göttliche Aufforderung hin –damit du nicht ahnungslos sündigst- und dem Vorhaben steht ein nicht unbedeutender göttlicher Wille bei. Große Belohnung freilich fordere ich , aber nicht unverdiente; Cytherea versprach dich meinem Schlafgemahl. Unter ihrer Führung machte ich vom sigeischen Gestade die unsichere Reis übers weite Meer auf pherecleischen Schiff. Sie schenkte mir leichte Brisen und günstige Winde – über das Meer hat natürlich ein Recht die aus dem Meer geborene. Sie soll weitermachen, und wie sie dem Ungestüm des Meeres, so soll sie auch dem des Herzens günstig begegnen; sie soll auch meine Wünsche in ihren Hafen bringen.

Die Flammen der Leidenschaft brachte ich mit, hier fand ich sie nicht. Die waren für mich Anlass für eine so weite Reise, denn weder ein unerfreulicher Wintersturm noch eine Irrfahrt hat uns hier angetrieben; das Land Taenaris ist von meiner Flotte angesteuert worden. Glaube weder, dass ich das Meer mit einem Waren tragenden Schiff durchfurche – für den Schutz der Güter, die ich habe, sollen die Götter sorgen! Noch komme ich zu den Griechischen Städten als Bildungsreisender- die Städte meines Königreiches sind reicher. Dich will ich haben, die die goldenen Venus für mein Bett bestimmt hat; dich habe ich eher begehrt, als du mir bekannt warst . Im Geiste habe ich dein Antlitz gesehen, bevor ich es mit den Augen sah. erster Künder deiner Schönheit war ein Gerücht.

Und doch ist es kein Wunder, wenn ich, da der Bogen so stark ist, von den fliegenden Pfeilen aus der Ferne getroffen, liebe. So hat es dem Schicksal gefallen; versuche nicht, dass zu erschüttern, höre, was ich dir wahrheitsgetreu erzähle. Ich lag noch im Leib meiner Mutter geborgen, weil meine Geburt auf sich warten ließ; schwer schon war ihr Traumbild, als bringe sie aus ihrem schwangeren Leib eine gewaltige flammende Fackel zur Welt. Erschrocken erhob sie sich und berichtete die furchterregende Erscheinung der dunklen Nacht dem greisen Priamus, der wieder den Sehern. Brennen werde vom Feuer des Paris Ilion ,verkündete ein Seher. Jene Fackel war die meines Herzens, wie sich jetzt zeigt!

Autor: Anja.B.