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Heroides - 05 (Oenone Paridi)


(Die Nymphe schickt ihrem Paris, obwohl er ablehnt der Ihre zu sein, Worte vom Berg Ida, damit er sie liebt.)

Wirst du ihn durchlesen? Oder verbietet es deine neue Frau? Lies ihn durch!
Er ist nicht von einer mykenischen Hand gemacht.
Ich, die verletzte Nymphe Oenone, die berühmteste der phrygischen Wälder,
beklage mich über dich, wenn du es zuließest, über mich selbst.
Was für ein Gott setzte seine Orakelsprüche unseren Gelübden entgegen?
Welches Verbrechen ist mir hinderlich, dass ich nicht die deine bleiben kann?
Man muss, was auch immer man verdientermaßen erleidet, es geduldig ertragen;
Die Strafe, die zur Unwürdigen kommt, muss schmerzen.
Du warst noch nicht so groß, als ich mit dir als Ehemann zufrieden war,
Ich, die aus dem großen Fluss gezeugte Nymphe.
Der du nun Priamide (in der Tat fehlte die Ehrfurcht),
Ein Sklave warst, ertrug ich Nymphe es, dich Sklaven zu heiraten!
Oft ruhten wir uns zwischen den Herden von einem Baum verdeckt aus
Und die mit Blättern vermischten Gräser boten uns ein Ehebett.
Oft wurde den auf Stroh und in hohem Heu Liegenden
Von einem kleinen Häuschen der weiße Frost abgewehrt.
Wer zeigte dir bei Jagden die passenden Waldtäler
Und unter welchem Felsen das wilde Tier seine Junge versteckt?
Oft spannte ich als Gefährtin die weitmaschigen Netze,
Oft führte ich die schnellen Hunde durch lange Gebirgszüge.
Die von dir eingeritzten Buchen bewahren meine Namen,
Und ich werde durch dein Messer gekennzeichnet als Oenone gelesen;
Und wie sehr die Baumstämme wachsen, so wachsen auch meine Namen,
Wachst und richtet meine Namen auf zu meinen Verdiensten.
Pappel, lebe, ich bitte dich, die du am Rand des Ufers gepflanzt wurdest!
Du hast in dieser runzligen Rinde ein Lied:
“Wenn Paris nach dem Verlassen von Oenone noch atmen könnte,
Soll das Wasser zur Quelle des Xanthus zurücklaufen.”
Xanthus, eile zurück, und lauft zurück, ihr gewendeten Wasser!
Paris erträgt es, Oenone verlassen zu haben.
Jener Tag verkündete mir, Elender, das Schicksal, von jenem Tag an begann der schrecklichste Winter der veränderten Liebe, an dem sowohl Venus als auch Iuno und die nackte Minerva zu deinem Schiedsgericht kam anmutiger als mit angelegten Waffen. Die betäubten Brüste zitterten und der kalte Schrecken durchlief die harten Knochen, als du mir es erzähltest.
Ich fragte (denn ich war nicht wenig erschreckt) die Greisinnen und die betagten alten Herren um Rat: sie stimmten überein, dass es Unrecht sei. Dass nachdem die Fichten gefällt, die Balken geschnitten wurden und die Flotte vorbereitet worden ist, die blaue Welle die geteerten Schiffe empfängt. Du hast geweint, als du fortgingst. Daher hör wenigstens auf, es zu leugnen; jeder von beiden traurig mischten wir unsere Tränen.
Nun wird die Ulme nicht so von nahe gelegenen Weinreben umschlossen, wie deine Arme um meinen Hals geschlungen sind.
Ah, wie oft lachten die Gefährten, weil du beklagtest vom Wind festgehalten zu werden - jener war nämlich günstig.
Wie oft gabst du der Verlassenen wieder geforderte Küsse! Wie der Mund es kaum ertrug “Lebwohl” zu sagen!
Der leichte Windhauch richtet die vom steil emporragenden Mast herabwallenden Segel auf und das aufgewühlte Wasser ist durch die Ruder weiß. Ich Unglückliche verfolge mit meinen Augen die fortgehenden Segel, soweit es geht und der Sand ist von meinen Tränen nass und dich bete zu den meerfarbenen Nereiden, damit du schnell zurückkommst- Freilich, damit du zu meinem Schaden schnell zurückkämst. Bist also du, der du zu einer anderen zurückkehren wirst, zurückgekehrt wegen meiner Wünsche? Weh mir, für ein grässliches Kebsweib schmeichelte ich! Der natürliche Damm blickt auf das gewaltige Meer (es war eine Klippe), jene leistete den Meerwassern Widerstand; hier erkannte ich die ersten Segel deines Schiffes und mir war es ein Drang durch die Wellen zu laufen. Während ich verweilte, glänzte mir auf dem höchsten Bug ein Purpurkleid.
Ich erschrak: jenes war nicht deine Kleidung.
Das Schiff kommt näher und es berührt durch den schnellen Wind das Land:
Ich sah mit pochendem Herzen weibliche Wangen.
Das war nicht genug - was verweilte ich rasende noch? - die schändliche Freundin klebt an deinem Schoß!
Damals zerriss ich wahrhaftig die Brust und schlug mir auf das Herz und ich verwundete die feuchten Wangen mit dem harten Fingernagel und ich erfüllte das heilige Idagebirge mit klagenden Geheul. Dorthin in meine Felsen trug ich diese Tränen. So soll Helena leiden und als von Gatten Verlassene laut weinen, die sie uns als erstes antat, soll sie selbst ertragen! Nun gefallen sie dir, die dir über das offene Meer folgen und die rechtmäßigen Männer im Stich lassen.
Aber als du arm warst und als Hirte die Herden führtest, war keine außer der Oenone die Ehefrau des Armen.
Ich bewundere nicht Reichtum, weder berührt mich dein Königspalast, noch berührt mich, dass ich eine von so vielen Schwiegertöchtern des Priamos genannt werde, und schließlich ist es nicht so, dass Priamos sich weigern müsste der Schwiegervater der Nymphe sein zu müssen. Oder dass ich die Schwiegertochter der Hekuba wäre, die man verstecken müsste. Ich bin würdig und wünsche mir, die Frau eines Mächtigen zu werden; ich habe Hände, die mit einem Zepter geschmückt werden könnten. Verachte mich nicht, weil ich mit dir auf dem Buchenlaub lag; ich passe besser in das purpurne Ehebett. Schließlich ist meine Liebe sicher; da werden weder Kriege vorbereitet, noch trägt die Welle rächende Schiffe herbei.
Die flüchtige Thyndaridin wird mit feindlichen Waffen zurückgefordert, mit dieser Mitgift kommt die Hochmütige in dein Ehebett.
Frag entweder den Bruder Hector oder Polydamas zusammen mit Deiphobus, ob diese den Griechen zurückgegeben werden müsste! Frag nach, was der wichtige Antenor, was Priamos selbst raten würde, welchen das lange Leben eine Lehrmeisterin war. Es ist ein schändliches Lehrlingsstück, eine Geraubte dem Vaterland vorzuziehen! Für deine Sache muss man sich schämen: der Mann bewegt die gerechte Waffe.
Wenn du weise bist, versprichst du dir nicht, dass die Spartanerin treu ist, die sich so schnell in deine Umarmungen gewendet hat. Wie Menelaos die Bündnisse des entweihten Ehebetts beklagt und durch die Liebe eines Außenstehenden verletzt leidet, wirst auch du jammern. Verletzte Keuschheit ist durch keine Kunst wiederherstellbar, ist sie einmal verlorengegangen. Brennt sie in Liebe zu dir? So liebte sie auch Menelaos.
Nun liegt jener Leichtgläubige in einem verwitweten Ehebett. Glückliche Andromache, du bist gut mit einem sicheren Ehemann verheiratet. Ich hätte einen Gatten wie z.B. deinen Bruder haben müssen. Du bist leichter als Blätter, dann, wenn sie ohne das Gewicht des Saftes von beweglichen Winden getrocknet fliegen. Es ist weniger Gewicht in dir als in der höchsten Granne ist, die leicht und durch die unablässige Sonne verbrannt emporragt. Dies hat einst (ich erinnere mich) deine Schwester gesungen, während sie mir mit wirren haaren prophezeite: “Was machst du, Oenone? Was übergibst du dem Sand die Saat? Durch nicht erfolgbringende Ochsen tust du Vergebliches. Eine griechische Kuh kommt, die dich, das Vaterland und das Zuhause verderben wird! Ach, halte sie fern! Eine griechische Kuh kommt! Versenkt das unheilvolle Schiff im Meer so lange es noch geht! Weh! Wie viel phrygisches Blut jene wegführt!” Die Stimme war im Umlauf. Die Dienerinnen ergriffen die Rasende; aber mir standen selbst die blonden Haare zu Berge. Ah, du warst für mich Elende eine allzu wahre Seherin; siehe da, die griechische Kuh besitz meine Waldschluchten! Wie ausgezeichnet auch ihr Gesicht sein mag, ist sie sicher eine Ehebrecherin; die dem Gast verfallene ließ die verbündeten Götter im Stich. Zuvor entführte Theseus, wenn ich mich nicht im Namen täusche, was weiß ich welcher Theseus jene aus ihrem Vaterland. Soll man etwa glauben, dass sie von einem Jugendlichen und begierigen als Jungfrau zurückgegeben wurde? Woher ich dies so gut weiß, fragst du? Ich liebe! Magst du es auch Gewalt nennen und die Schuld durch den namen verschleiern: Wer so oft geraubt wurde, bietet sich selbst dar geraubt zu werden. Aber Oenone bleibt für den betrügenden Ehemann züchtig - und nach deinen eigenen Gesetzen konntest du selbst getäuscht werden: Mich begehrten die schnellen Satyrn (ich verbarg mich in den Wäldern geschützt) auf schnellem Fuß, unverschämte Horde un der Faun mit gehörntem und von stacheliger Fichte umkränztem Kopf in den mächtigsten Berghängen, dort wo Ida sich aufwölbt. Mich liebte der Erbauer Trojas, der hervorragend im Leierspiel war; und er ließ meine Hände an seine Gabe. Welches mächtige Kraut und welche zum Zweck des Heilens nützliche Wurzel auch immer auf der ganzen Erde erwächst, ist meine.
Ich Elende, weil die Liebe nicht mit Kräutern heilbar ist!
Ich versage in meiner Kunst, obwohl ich der Kunst kundig bin.
Weil weder die an Pflanzen reiche Erde des Erschaffens noch du, Gott, mir helfen kannst.
Du kannst und ich verdiene es: erbarme dich des würdigen Mädchens! Nicht ich bringe blutige Waffen mit den Danaern.
Aber ich bin die deine und war mit dir in den Kinderjahren und bitte darum, die deine zu sein, für die Zeit, die übrig ist .

Autor: Nina