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Heroides - 04 (Phaedra und Hippolytos)

Wenn du es nicht geben wirst, so wird sie es selbst nicht haben, und sie, das kretische Mädchen, schickt das Glück dem Amazonensohn.
Lies nur, was auch immer es ist – was wird ein gelesener Brief schaden?
Es kann auch sein, dass irgendwas in ihm ist, das dir nützen könnte.
Durch diese Schrift werden Geheimnisse über Land und Meer getragen.
Ein Feind liest den vom Feinde erhaltenen Brief.
Dreimal versuchte ich mit dir zu sprechen, dreimal stockte die Zunge mir unnütz, dreimal versagte mir die Stimme beim ersten Wort.
Wo es erlaubt ist und folgt, ist Scham mit Liebe zu mischen.
Dinge, die mich schämten zu sagen, befiehlt Amor zu schreiben.
Was auch immer Amor befielt: es ist nicht sicher, das zu verachten.
Jener herrscht und hat das Recht über die Herren und auf die Götter.
Jener gab mir zuerst zögernden zu schreiben, sagt er:
„Schreib! Auch jener Eiserne wird die besiegt Hände reichen.“
Steh er mir bei, und wie er mein Mark mit gierigem Feuer erhitzt, so möge er dein Herz nach meinem Wunsch durchbohren.
Nicht aus Nichtsnutzigkeit will ich die freundschaftlichen Bündnisse brechen;
Mein Ruf – ich wollte du fragst – trägt kein Verbrechen.
Es kam Amor heftiger, je später – und innen brenne ich.
Ich brenne und meine Brust hat eine unerkannte Wunde.
Natürlich wie die jungen Rinder das ersten Joche verletzten und wie das aus der Herde genommene Pferd schwer die Zügel erträgt, so nimmt mein rohes Herz kaum und schlecht die ersten Liebesgefühle auf, und diese Last sitzt nicht gerade auf meinem Herzen. Kunst wird es, sobald das Verbrechen schon von jungen Jahren an gelernt wird.
Wem sie erst nach langer Lebzeit kommt, liebt man schlechter.
Du wirst das neue Opfer der bewahrten Ehre ergreifen, und auf gleiche Weise wird jeder von uns beiden schuldig werden. Es ist etwas daran, von vollen Zweigen die Früchte zu ernten und mit zartem Fingernagel die junge Rose auszuwählen. Wenn trotzdem jener frühere Glanz, durch den ich mich keines Verbrechens schuldig machte, von einem ungewohnten Makel zu erkennen war, so ist es gut erfolgt, dass ich durch eine Liebe zu einem würdigen (Mann) brenne;
Ein hässlicher Ehebrecher ist dem Ehebruch verhasst.
Würde Iuno mir den Bruder oder Mann erlauben, ich würde, glaube ich, Hippolytos dem Jupiter vorziehen.
Bald auch – du magst es kaum glauben – wende ich mich an neue Künste, auch habe ich den Drang, an wilden Tieren vorbei zu gehen. Bald ist mir die treffliche, großartige Göttin Delia mit ihrem gekrümmten Bogen (vor Augen). Und deinem Urteil folge ich selbst.
Es beliebt in den Hain zu gehen und nachdem die Hirsche in das Gehege gedrängt wurden die schnellen Hunde über die Hohen Bergrücken zu treiben.
Oder den in der durchbohrten Seite zitternden Speer zu schwingen, oder auf den grasigen Boden den Körper zu legen. Oft erfreut es die leichten Wagen im Sand zu lenken und das Haupt des fliehenden Pferdes mit den Zügeln zu drehen.
Bald stürze ich, wie die durch die Rasereien des Bacchus getriebenen Eleleiden, und wie die, die am Idasgebirge die Trommeln rühren oder wie die, die die halbgöttischen Dryaden du die zweigehörnten Faune nach ihrem göttlichen Geheiß berührt in Besinnungslosigkeit versetzten.
Denn das erzählen mir alle, wenn sich jene Raserei zurückgezogen hat.
Mich Schweigsame verbrennt Amor, der davon weiß.
Vielleicht geht diese Liebe aus dem Geschick meines Geschlechtes hervor und von dem ganzen Geschlecht fordert Venus Tribut. Jupiter wählte Europa aus – sie ist eben der erste Ursprung unseres Geschlechtes – indem er seine göttliche Gestalt als Stier verbarg.
Pasiphae, die Mutter, gepaart mit dem getäuschten Stier, gebar aus ihrem Bauch das Verbrechen und die Last. Der treulose Aegeussohn, folgend dem leitenden Faden, flieht aus dem gekrümmten Haus mit Hilfe meiner Schwester. Siehe, ich nun, um nicht allzu wenig vielleicht als Tochter des Minos zu gelten, trete nun als letzte in die gemeinsamen Gesetze meiner Sippe.
Dieses ist auch schicksalhaft: Ein einziges Haus gefiel zwei Frauen – stellt doch ins Haus zwei Trophäen von uns!
Zu jener Zeit bin ich nach Eleusis, das der Ceres, gegangen, ich wollte, dass die Gnosische Erde mich davon abgehalten hätte! Damals gefielst du mir ganz besonders, und trotzdem auch schon davor.
Heftige Liebesglut hing mir bis tief in die Knochen.
Weiß war das Kleid, die Haare von Blumen umkränzt, schamhafte Räte hatte das braune Gesicht getüncht. Das Gesicht, welches andere trotzig und streng nennen, war, nach dem Urteilsspruch von Phaedra, statt streng tapfer.
Mögen fern mir sein Jünglinge gepflegt wie Frauen!
Männliche Schönheit liebt es, durch maßvolle Beschränkung gepflegt zu werden.
Dich aber ziert diese deine Strenge und die kunstlos frisierten Haare und der leichte Puder im schönen Gesicht. Sei es, dass du umbiegst den sich wehrenden Hals eines wilden Pferdes, wundere ich mich über die im engen Kreis gebeugten Füße.
Sei es, dass du mit dem starken Arm den schweren Schaft du schleuderst, hat der wilde Arm die Blicke auf sich gerichtet, sei es, dass du mit breitem Schwerte die gehörnten Jagdspieße hältst: Schließlich erfreut meine Blicke, was auch immer du tust. Du nur leg ab die Härte in den bergigen Wäldern. Ich bin nicht würdig, durch deine Härte unterzugehen. Was erfreute es, in den Disziplinen der umgürteten Diana sich zu üben und der Venus ihren Rang zu entreißen? Was einer wechselnden Ruhe entbehrt, wehrt nicht lange.
Diese erfrischt die Kräfte und erquickt die müden Glieder.
Der Bogen – du musst die Waffen deiner Diana nachahmen -, wenn du niemals aufhörst, ihn zu spannen, wird schlaff sein. Berühmt war Kephalos in den Wäldern und viele wilde Tiere stürzten auf dem Felde zu Boden bei seinem Wurfe. Und trotzdem erwies er sich nicht als schlechter Liebling der Aurora. Die Göttliche ging von dem greisen Mann geschickt weg zu diesem.
Oft ertrug irgendein Gras die beiden gebetteten aus, die Venus und den Sohn des Cinyras.
Es entbrannte auch der Oenide zur Maenilischen Atalante.
Und sie hat als Pfand der Liebe die Beute des Tieres.
Auch wir sollen so bald wie möglich zu dieser Menge gehören.
Wenn du Venus verschmähst, ist dein Wald roh.
Ich will als Begleiterin kommen, und weder werden mich die höhlendurchtriebenen Felsen schrecken noch der fürchterliche Eber mit krummen Keiler.
Zwei Meere umgeben mit ihren Fluten den Isthmos und das schmale Land hört beide Meere.
Hier will ich mit Dir Troezen bewohnen, das Reich des Pittheus.
Jetzt schon ist mir jenes lieber als mein Vaterland.
Seit einige Zeit ist er fort und lange wird er fortsein der Neptunische Held.
Jenen hält die Küste seines Pirithous.
Theseus zog den Pirithous der Phaedra vor und dir den Pirithous, es sei denn, wir leugnen die stichhaltigen Beweise. Und nicht allein dies Unrecht kommt von jenem zu uns;
Durch große Dinge sind wir beide gekränkt.
Die Knochen meines Bruders, durch einen dreiknotigen Knüppel zerschlagen, verstreute er auf dem Boden; Die Schwester wurde den Tieren als Beute gelassen.
Dich gebar die an Tugend unter den beiltragenden Mädchen Ertse, an Kraft würdig war die Mutter des Sohns. Wenn du fragst, wo sie ist – Theseus durchbohrte mit dem Schwert die Brust, nicht durch ein so großes Pfand war die Mutter sicher gewesen.
Nicht einmal verheiratet und durch Hochzeitsfackel empfangen – warum (ach), außer, damit du nicht als Bastard die väterliche Herrschaft ergreifst?
Brüder fügte er dir durch mich hinzu, welche trotzdem alle aufzunehmen nicht ich der Grund war, sondern er.
Ach wenn doch die Gedärme, die dir schaden werden, schönster aller Dinge, schon direkt bei der Geburt zerplatzt wären! Geh nun und ehre Das Bett deines verdienstvollen Vaters, welches er selbst meidet und welches er seinen Taten abspricht! Und nicht, weil ich als Stiefmutter dem Stiefsohn zu kommen scheine, sollen leere Namen deine Seele erschrecken.
Diese alte Frömmigkeit, die im Begriff ist, in zukünftigen Zieten zu sterben, ist gewesen unter der Herrschaft Saturns ländliche Herrschaft gewesen.
Sicher wirst du sein mit mir und durch die Schuld wirst du Lob verdienen, magst du auch in meinem Bett auffallen.
Beseitige nur das Zögern und binde hastig die Bündnisse – der, der gegen mich jetzt tobt, Amor, er wird dich schonen!
Ich bin nicht beleidigt unterwürfig und auf Knien zu bitten.
Ach! Wo sind jetzt Stolz und große Worte? Sie liegen am Boden!
Zum einen lange zu kämpfen und nicht mich der Versuchung zu unterliegen war ich entschlossen – Wenn irgendetwas Sicheres die Liebe haben würde.
Ich bitte ergeben und strecke die königlichen Arme zu deinen Knien! Was sich ziemt, das sieht kein Liebender.
Es scheut sich nicht mehr und lässt zurück die fliehende Scham ihre Zeichen.
Sei gnädig der gegenüber, die gestanden hat, und bezähme das harte Herz.
Was ist mir der Vater Mino, der die Meere besitzt, was kommen durch des Urgroßvaters Hand geschleuderte Blitze, was ist der Großvater, der an der Stirn durch spitze Strahlen geschützt ist, der den warmen Tag mit seinem roten Gespann in Gang bringt – Die ehrenvolle Herkunft unterliegt der Liebe ! Erbarm dich der Vorfahren, und , wenn schon nicht mich schonen, dann schone sie!
Crete, als Mitgift habe ich, die Erde des Jupiters – möge der ganze Hofstaat meinem Hippolytos dienen!
Beuge, wilder, die Seele! Ein Stier konnte die Mutter bezwingen. Wirst du wilder als ein grimmiger Stier sein?
Bei Venus, die ganz besonders mit mir ist, schone mich, bitte.
So mögest du niemals lieben, welche dich verachten könnte.
Möge die flinke Göttin dir in verschwiegenen Bergtälern und gebe der hohe Wald die Tiere, die sterben sollen.
So sollen dich die Satyrn und die Berggottheiten, die Panen begünstigen, soll der vom feindlichen Speer durchbohrte Eber fallen.
So mögen di die Nymphen, auch wenn man sagt, du hassest die Mädchen, Wasser geben, das brennenden Durst stillen soll!
Wir fügen diesen Bitten auch Tränen hinzu; die Worte einer Bittenden liest du; Stell dir auch vor, meine Tränen zu sehen.

Autor: jauchi