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Ars Amatoria - 2, 001-095


Sagt „Io Paean“ und nochmal „Io Paean“:
Es fiel in meine Netze die erstrebte Beute.
Froh beschenkt der Liebende meine Gedicht mit grüner Palme
Sie vorgezogen dem Ascraeus und dem alten Maeonius (Hesiod und Homer).
So gestimmt setzte der Fremde, der Priamussohn, aus dem waffentragenden
Amyclae die weißen Segel, nachdem er die Gattin geraubt hat.
So gestimmt war der, der dich auf siegreichem Wagen wegtrug,
die du au fremdländischen Rädern fuhrst, Hippodamia.
Was eilst Du, Jüngling? Dein Schiff aus Pinie segelt mitten auf dem Meer,
und weit entfernt ist der Hafen, den ich anstrebe.
Es reicht nicht, dass das Mädchen zu dir gekommen ist, durch mich als Dichter.
Durch meine Kunst ist sie gefangen worden, durch meine Kunst ist sie zu halten.
Und nicht weniger einfach, als sie zu suchen, ist, das Erworbene zu behalten.
Dort steckt Zufall drin, dieser hier wird Aufgabe der Kunst sein.
Nun seid mir günstig, wenn irgendwann, Junge und Cytherea;
Nun Erato, denn du hast den Namen der Liebe.
Ich bereit Großes vor, zu sagen, durch welche Künste nämlich Amor bleiben kann,
der auf dem großen Erdkreis so (gern) umherschweifende Junge.
Er ist sowohl leicht als auch zwei Flügel hat er, mit welchen er davonfliegt;
Schwierig ist es, ihnen Maß aufzudrücken.

Gegen die Flucht des Gastes hatte Mino alle Vorkehrungen getroffen.
Jener fand durch Flügel einen kühnen Weg.
Sobald Daedalus den durch den Frevel der Mutter empfangenen
Menschen, halb Stier, den Stier, halb Mensch einsperrte, sprach er:
„Der Verbannung sei eine Ende, gerechtester Mino!
Möge die väterliche Erde meine Asche aufnehmen,
und, weil ich durch ein ungerechtes Schicksal getrieben
nicht im Vaterland leben konnte, gib mir das Recht, dort zu sterben.
Erlaub dem Jungen die Rückkehr, wenn der Dank des Alten wertlos ist;
Wenn du den Jungen nicht schonen willst, dann schone den Alten.“
Dieses hatte er gesagt, aber möchte er dieses und noch vieles mehr
sagen, jener ließ den Mann nicht weggehen.
Sobald er dies spürte, sagte er: „Nun denn, nun denn, Daedalus,
den Stoff, mit dem du erfinderisch sein kannst, hast du.
Minos hält sowohl Erde wie die Meere im Besitz:
Weder die Erde noch die Flut steht unserer Flucht offen.
Es bleibt der Weg durch die Luft: Wir werden versuchen, durch den Himmel zu gehen.
Gib meinem Vorhaben Gunst, hoher Jupiter.
Ich strebe nicht danach, die Sternensitze zu berühren.
Um dem Herren zu entkommen, gibt es keinen Weg, wenn nicht diesen.
Ein Weg könnte durch die Styx gegeben werden, so werden wir die stygischen Wellen durchschwimmen.
Ich muss die die Gesetze meiner Natur erneuern.“ Not bewegt oft die Begabung: Wer hätte geglaubt, dass jemals
ein Mensch durch die Lüfte den Weg ergreifen könnte?
Das Ruderwerk der Vögel, In Ordnung setzt er die Federn
und knüpft mit Leinenschnüren ein leichtes Werk.
Und der unterste Teil wird durch vom Feuer gelösten Wachs festgehalten,
und schon war die Arbeit des neuen Kunstwerks beendet.
Strahlend behandelte auch der Junge den Wachs und die Federn,
unwissend, dass diese Geräte für die Schultern bestimmt sind.
Diesem sagte der Vater: „Auf diesen Fahrzeugen ist das Vaterland anzustreben;
Durch diesem Hilfsmittel müssen wir dem Minos entkommen..
Die Lüfte konnte er nicht, alles andere verriegelte Minos:
Wem es erlaubt ist, durchbreche die Luft mit meiner Erfindung.
Aber du wirst nicht die Tagaeische Jungfrau und nicht den Begleiter des Bootes,
den schwerttragenden Orion betrachten dürfen:
Folge mir mit den gegebenen Flügeln; Ich werde voraus fliegen;
Deine Sorge sei es nur, zu folgen, mit mir als Führer wirst du sicher sein.
Denn, wenn wir durch die aetherischen Lüfte bei naher Sonne
fliegen werden, wird das Wachs die Hitze nicht aushalten,
wenn wir die Flügel niedrig dem Meer nahe schwingen,
wird die bewegliche Feder durch die Meeresfluten nass.
Fliege zwischen den beiden; Hüte dich auch vor den Winden, Sohn.
Und wohin die Lüfte tragen, dort entlang richte die Flügel.“
Während er mahnt, passt er das Werk dem Sohn an und zeigt,
wie es bewegt werden kann, unterrichtet wie die Mutter seine unsicheren Vöglein belehrt;
Dann passt er sich die gemachten Flügel an die Schultern an und
Balanciert durch den neuen Weg vorsichtig die Körperteile;
Schon im Begriff, zu fliegen, gab er dem kleinen Sohn Küsse,
die väterlichen Wangen konnten die Tränen nicht halten.
Da war ein Hügel, kleiner als ein Berg, aber höher als die ebenen Felder;
Von hier sind die beiden Körper der elenden Flucht gegeben worden.
Und Daedalus bewegt seine Flügel und blickt auf die des Sohnes
Und hält seinen Lauf immerfort zurück.
Schon erfreut die neue Reise(art), und die Angst abgelegt
Fliegt Icarus tapferer auf kühne Art.
(Diese erblickt irgendeiner, während er bei zitternder Angelroute Fische fängt
Und die Hand lässt das begonnene Werk fallen.)
Schon liegt Samos zur Linken (Naxos und Paros und das dem clarischen Gott
Geliebte Delos lag schon hinter ihnen.)
Recht lag Lebinthos und das durch Wälder schattige Calymne, Astypalaea,
umgeben von fischreichen Untiefen.
Als der Junge allzu unbesonnen durch seine sorglosen Jahre
Sich zu sehr einen höheren Weg einschlug und den Vater verließ.
Die Fesseln lockern sich und das Wachs durch den näheren Gott wird flüssig.
Und keine zarten Winde halten die bewegten Arme.
Erschrocken blickte vom höchsten Himmel hinab auf das Meer.
Aufkommende Nacht kam in seine Augen durch die blasse Angst.
Das Wachs war geschmolzen; jener schüttelt die nachten Arme
und zittert und hat nichts auf das er sich stützen kann.
Er fiel hinab und fallend sagt er: „Vater, oh Vater, ich stürze“
Die grünen Wassermassen verschlossen den Mund des Sprechenden.
Aber der unglückliche Vater, und schon nicht mehr Vater, ruft „Icarus!“
„Icarus!“ ruft er, „wo bist Du, unter welcher Himmelsachse fliegst Du?
Icarus!“ rief er; da sah er die Federn im Wasser.
Erde bedeckt die Knochen, das Meer trägt den Namen.
Nicht konnte Mino die Flügel des Menschen zu zügeln,
ich aber bereit mich vor, den geflügelten Gott festzuhalten.

Autor: jauchi