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Ars Amatoria - 1, 525-565 (Ariadne und Bacchus)

Bacchus und Ariadne

Siehe, Bacchus ruft seinen Seher: Auch er unterstützt die Liebenden und ist der Flamme zugetan, durch welche er selbst gewärmt wird.

Das Mädchen von Knossos irrte wahnsinnig an unbekannten Stränden umher, wo die kurze Insel Dia durch die Fluten des Meeres geschlagen wird; und wie sie vom Schlaf erwacht, umhüllt von einer entgürteten Tunica, nackt am Fuß, ungebändigt ihr blondes Haar, da ruft sie „grausamer Theseus“ zu den tauben Wellen, während die zarten Wangen der unwürdige Tränenregen benetzt. Sie schrie und weinte zugleich, aber beides stand ihr gut. Sie wurde nicht hässliche durch ihre Tränen. Und ein weiteres ihr zartesten Brüste mit den Handflächen schlagend sagt sie „Jener treulose ging weg: was soll aus mir werden?“ Sie sagt: „Was soll aus mir werden?“ da klangen die ganze Küste entlang Cymbeln und Pauken von begeisterter Hand geschlagen.
Sie fällt vor Schreck in Ohnmacht und die letzten Worte stockten.
Kein Blut war im entseelten Körper.
Siehe, da kommen die Mimalloniden mit dem auf den Rücken verstreuten Haaren. Sieh, die leichten Satyrn, die vorauseilende Menge des Gottes. Betrunken, siehe, da ist Silen auf gekrümmtem Esel, sitzt er gerade noch und die dunkle Mähne hält er ganz fest.
Während die Bacchantinnen er verfolgt, fliehen die Bacchantinnen und greifen wieder ihn an, während der schlechte Reiter mit der Gerte das Pferd anheizt, fiel er heruntergeplumpst vom langohrigen Esel auf den Kopf. Es schrieen die Satyrn: „Los, steh auf, steh auf, Vater!“
Schon gab der Gott auf dem Wagen, den er mit Weinbeere ganz oben bedeckt hatte, den vorgespannten Tigern die goldenen Zügel. Sowohl Farbe als auch Theseus und Stimme verließen das Mädchen, und dreimal ergriff sie die Flucht und dreimal ist sie durch Furcht zurückgehalten worden.
Sie erschrak, wie fruchtlose Ähren die der Wind anweht, wie das leichte Schilfrohr zittert im feuchten Sumpf.
Zu ihr sagt der Gott: „Sieh, ich bin für dich da, eine treuere Pflege. Leg ab die Furcht, Du wirst, Mädchen von Knossos, die Gattin des Bacchus. Nimm den Himmel als Geschenk: Am Himmel wirst du als Stern zu sehen sein. Oft wirst du als Krone von Kreta einem unsicheren Floß die Richtung weisen.“

Sprachs und vom Wagen, damit sie nicht die Tiger fürchtet, sprang er ab (es wich der Sand beim Aufsetzen des Fußes) und die Verwirrte an seiner Brust, denn sie war zu schwach sich zu wehren, trug er sie weg.: dem Gott ist es in einer leichten Sache, alles zu können.

Ein Teil singt: „Hymenaee“, ein Teil singt: „Euhion, euhoe“;
So verbinden sich auf heiligem Bette Braut und Gott.

Autor: jauchi