Ars Amatoria - 1, 437-486

In geglättete Wachstäfelchen eingegossenes Wachs möge die unbekannten Gewässer wagen, eine Wachstafel soll als Mitwisserin deines Geistes vorangehen. Sie möge deine Schmeicheleien und nachgemachten Worte der Liebe übertragen, und wer auch immer du bist, füge nicht wenige Bitten hinzu. Auf die Bitte hin schenkt Achill (hatte Hektor getötet) Priamus (Vater von Hektor, König von Troja) den Leichnam Hektors, der zornige Gott wird durch eine bittende Stimme überredet. Versprich recht viel, denn was schadet es, zu versprechen? Reich an Versprechen kann jeder beliebige sein. Wenn sie einmal geglaubt wird, hält Hoffnung für lange Zeit. Jene ist zwar eine trügerische Göttin, aber dennoch eine geeignete. Wenn du etwas gegeben hast, kannst du durch Vernunft verlassen werden. Sie wird das Erhaltene mitnehmen, und nichts wird sie verloren haben. Aber was du nicht gegeben hast, soll immer so erscheinen, als ob du es geben willst. So täuschte ein unfruchtbarer Acker oft seinen Herren. So, damit er nicht verliert, hört der Spieler nie auf zu verlieren, und oft ruft der Würfel die gierigen Händen zurück. Das ist nötig, das ist eine Aufgabe, ohne erstes Geschenk verbunden zu werden. Damit sie nicht umsonst gegeben hat, was sie gibt, wird sie es wie immer geben. So möge dann ein Brief kommen, mit schmeichelnden Worten aufbereitet, und es möge ihre Sinneshaltung erforschen und als erster den Weg wagen: Briefe, die auf einem Apfel zu ihr kamen, täuschten Kydippe (Accontius liebte sie, schrieb Schwur auf Apfel, den sie aß), und unwissentlich wurde das Mädchen durch ihre Worte besiegt. Erlerne die guten Künste, ich mahne dich, römische Jugend, nicht nur, um verängstigte Angeklagte zu schützen: Wie das Volk, der strenge Richter und der belesene Senat, so wird auch das Mädchen, durch Beredsamkeit besiegt, sich ergeben. Aber deine Kräfte mögen sich verstecken, damit du nicht verlassen bist auf der Stirn, es mögen deine Stimmen entfliehen vor weichen Worte. Wer, wenn nicht ein von seinem Verstand verlassener, deklariert für die zärtliche Freundin? Oft war geschriebenes ein starker Grund für Hass. Dein Gespräch sei glaubhaft, deine Worte vertraut, dennoch (auch) schmeichelnd, damit du anwesend zu sprechen scheinst. Wenn sie nicht das Geschriebene annimmt und es ungelesen zurückschickt, dann erhoffe, dass sie es lesen wird und halte dich an das Vorgenommene. Mit der Zeit kommen schwierige Jungstiere zu den Pflügen, mit der Zeit lernen Pferde, die weichen Zügel zu erdulden. Durch heftige Verwendung wird der eiserne Ring durchgewetzt, die krumme Pflugschar geht durch den Kampf mit der Scholle zugrunde. Was ist härter als Gestein, was ist weicher als Wasser? Dennoch werden harte Steine durch weiches Wasser ausgehöhlt. Selbst Penelope wirst du mit der Zeit – bleib nur hart – besiegen. Du siehst, dass Pergamus spät, aber dennoch fiel. Sie las es und will nicht zurück schreiben, dann zwinge sie nicht. Du mach nur, dass sie von dir Schmeicheleien liest. Die, die wollte, gelesen zu haben, wird auch auf das Gelesene zurück schreiben wollen. Mit einer Anzahl kommen diese Dinge und in ihrem Grad. Vielleicht kommen auch zuerst traurige Briefe die bitten, dass du sie nicht beunruhigen sollst. Sie fürchtet, was jene erbittet. Was sie nicht bittet, das erhofft sie, nämlich dass du nicht ablässt. Lass nicht ab, und deine Wünsche werden in Erfüllung gehen.
Eingesandt von Verena